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Mayer hat kein Mitleid mit Agassi

Paris (dpa) - Florian Mayer hatte kein Mitleid mit Andre Agassi. «Er war in absolut schlechter Verfassung und nicht fit», sagte der Tennis-Aufsteiger aus Bayreuth und gab damit ein brutales, aber richtiges Urteil über die Erstrundenpleite des Amerikaners bei den French Open ab.

Paris (dpa) - Florian Mayer hatte kein Mitleid mit Andre Agassi. «Er war in absolut schlechter Verfassung und nicht fit», sagte der Tennis-Aufsteiger aus Bayreuth und gab damit ein brutales, aber richtiges Urteil über die Erstrundenpleite des Amerikaners bei den French Open ab.

«Er wird älter und nicht mehr schneller. Die Spieler verlieren langsam den Respekt vor ihm», meinte Mayer. So wie Jerome Haehnel in seinem ersten großen Tennis-Match gegen den achtmaligen Grand-Slam-Sieger. Der Qualifikant aus dem elsässischen Mühlhausen leidet unter Flugangst. Die Schlagzeilen, die er in der französischen Presse machte, werden ihn schon deshalb nicht zu Höhenflügen verleiten. «Haehnel zerstört den Mythos», schrieb die Sportzeitung «L'Equipe» und spekulierte nach Agassis zweitem Erstrunden-K.o. bei 16 Teilnahmen in Paris über das nahe Karriere-Ende des 34-Jährigen. «Auf Wiedersehen oder Adieu?»

Florian Mayer macht sich da auch so seine Gedanken. «Ich tippe mal, dass er aufhört, dieses oder nächstes Jahr», sagte der Deutsche, der sich ein bisschen wie Haehnel fühlen durfte. «Es macht mich stolz, dass ich gegen Fernando Gonzalez gewonnen habe, denn er gehört zu den zehn besten Sandplatzspielern der Welt», meinte der 21 Jahre alte Qualifikant, nachdem er bei seinem Paris-Debüt den Team-Weltmeister aus Chile auseinander genommen hatte.

Mayer provoziert mit seinem frechen und unkonventionellen Spiel die Gegner. Die vielen Stoppbälle, die eingesprungene Rückhand. «Mein Slice sieht nun mal ein bisschen blöd aus, aber er ist sehr effektiv. Ich will ja niemanden verarschen», versicherte Mayer, der auf dem Platz längst nicht so zurückhaltend ist wie im normalen Leben. Als Gonzalez ihn mit der Vorhand «abschießen» wollte, entrüstete sich Mayer: «Das gehört sich einfach nicht. Das musste ich ihm auch mal zeigen.»

Mit seiner gewöhnungsbedürftigen Spielweise ist er innerhalb von fünf Monaten immerhin von Platz 250 auf Rang 75 der Weltrangliste geklettert. «Das hat außer mir nur der Spanier Rafael Nadal geschafft.» Anfang des Jahres, als er bei den Australian Open als einziger Deutscher im Herrenfeld die zweite Runde erreicht hatte, ließ sich Mayer noch zu sehr ablenken. «Der ganze Presserummel plötzlich war zu viel für mich.»

Inzwischen hat er weitere Erfolge eingefahren (Halbfinale Estoril, Achtelfinale Hamburg) und ist auch abseits des Platzes abgeklärter. «Ich habe ihm gesagt, er soll nie lügen. Dann wird er auch nicht in die Pfanne gehauen, wenn es mal nicht so läuft», sagt Trainer Ulf Fischer, der den langen Kerl nur «Flo» nennt.

Fischer weiß, wie schnell ein talentierter Spieler aufsteigen und wieder abstürzen kann. Hendrik Dreekmann führte er vor zehn Jahren ins Viertelfinale von Roland Garros. «Er ist Jahre lang nicht über seine Niederlage hinweg gekommen», erzählt Fischer, der nicht glaubt, dass Mayer ähnliches widerfahren könnte. «Er ist ein ganz anderer Typ, viel gewissenhafter. Tennis ist sein Ein und Alles.»

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