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Mayer-Vorfelder: «Ich habe meine Mission erfüllt»            DPA-Datum: 2004-06-29 18:42:08

dpa: Herr Mayer-Vorfelder, wann wird Ottmar Hitzfeld als neuer Bundestrainer vorgestellt?

dpa: Herr Mayer-Vorfelder, wann wird Ottmar Hitzfeld als neuer Bundestrainer vorgestellt?

Mayer-Vorfelder: «Ich persönlich bin der Meinung, dass er großes Interesse hat, das Amt zu übernehmen. Wir haben über alle Fragen gesprochen, die von Bedeutung sind. Er hat sich eine Zeit erbeten zur Entscheidungsfindung, weil er seiner Frau versprochen hat, dass er ein Jahr Pause macht. Dafür habe ich Verständnis.»

dpa: Wo gibt es zwischen Ihnen und Hitzfeld noch offene Fragen?

Mayer-Vorfelder: «Ich halte die Punkte, die besprochen worden sind, für so weit geklärt, dass man zu einer Entscheidung kommen kann. Jetzt muss man abwarten, welche Entscheidung er trifft. Ich für meinen Teil kann dazu nichts mehr beitragen, und damit ist die Mission, die ich nach der DFB-Satzung habe, erfüllt.»

dpa: Sie wurden in den vergangenen Tagen vor allem aus der Bundesliga hart kritisiert, weil Sie die Trainersuche zur alleinigen Chefsache gemacht haben.

Mayer-Vorfelder: «Der Präsident entscheidet nicht allein, aber er führt die Gespräche allein. Und das muss so sein, da habe ich lange genug Erfahrung. Man kann nicht in Zugstärke zu Gesprächen anrücken. Da muss eine andere Atmosphäre herrschen, eine unter vier Augen, denn da kann man offener miteinander umgehen.»

dpa: DFL-Chef Werner Hackmann und andere hohe Funktionäre fühlten sich jedoch isoliert. Mayer-Vorfelder: «Ich habe die Präsidiumsmitglieder über das Ergebnis der Gespräche informiert. Und ich habe gebeten, dass man das Präsidium in der nächsten Woche zusammenruft, um nicht nur über die Trainerfrage zu reden, sondern über den ganzen Ablauf dieser Europameisterschaft. Das ist ja völlig in den Hintergrund geraten durch Rudi Völlers Rücktritt.»

dpa: Ist Ottmar Hitzfeld Ihr Wunschkandidat?

Mayer-Vorfelder: «Mit Sicherheit. Gegen Ottmar Hitzfeld kann überhaupt niemand irgendwelche Einwände haben. Ich kenne ihn seit ewigen Zeiten, ich habe ihn 1972 bei den Olympischen Spielen als jungen Spieler kennen gelernt und 1975 als VfB-Präsident nach Stuttgart geholt. Seit dieser Zeit hat sich ein sehr freundschaftliches und persönliches Verhältnis aufgebaut.»

dpa: Welche Laufzeit soll Hitzfelds Vertrag haben?

Mayer-Vorfelder: «Das habe ich insofern offen gelassen, indem ich ihm gesagt habe, er soll sich überlegen, wie lange der Vertrag laufen soll. Das sind für mich keine Fragen von existenzieller Bedeutung. Die Arbeit, die geleistet wurde und werden muss, ist sicherlich 2006 nicht zu Ende. Die Maßnahmen im Jugendbereich wirken nicht von heute auf morgen. Da muss man Geduld aufbringen und da ist es gut, wenn man einen Trainer hat, der über all diesen Fragen steht und dort seinen Einfluss geltend machen kann.»

dpa: Angeblich standen Sie auch mit Christoph Daum in Kontakt.

Mayer-Vorfelder: «Das sind abenteuerliche Erfindungen. Viele Leute sehen es so, dass er ein sehr guter Trainer ist, der im Augenblick aber nicht vermittelbar ist. Das ist sein Problem. Das Entscheidende aber ist, dass ich keinen Kontakt mit ihm gehabt habe. Ich hatte seit vier Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm.»

dpa: Sind Sie also zufrieden mit der Art der Trainersuche?

Mayer-Vorfelder: «Ich bin jetzt noch ganz stolz drauf, dass man das Gespräch in Sevilla so hinbekommen hat, dass keine Journalisten vor der Hoteltür oder am Flughafen standen. Ich hatte ja schon auf der Pressekonferenz nach Rudi Völlers Rücktritt vorausgesagt, wie es kommt: Am ersten Tag werden Namen genannt. Am zweiten Tag wird gerufen, jetzt hat er immer noch keinen Trainer. Und am dritten Tag wird gesagt, jetzt ist das Chaos ausgebrochen. Das habe ich prophezeit, insofern hat mich das nicht überrascht. Die Aufgeregtheit wird sich auch wieder legen.»

Von Oliver Hartmann, dpa

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