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Mayer-Vorfelder sieht keine Entmachtung

Gerhard Mayer-Vorfelder fühlt sich weder als Frühstücksdirektor noch als entmachteter Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wenn er den Chefposten ab 23. Oktober mit dem bisherigen Schatzmeister Theo Zwanziger teilen muss.

dpa BERLIN. Gerhard Mayer-Vorfelder fühlt sich weder als Frühstücksdirektor noch als entmachteter Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wenn er den Chefposten ab 23. Oktober mit dem bisherigen Schatzmeister Theo Zwanziger teilen muss.

Im Gegenteil: Der 71-Jährige sieht sich auch nach dem Kompromiss mit der "Doppelspitze" als starker Mann weiter allein zuständig für die deutsche Nationalmannschaft. "Dazu kommen die Aufgaben bei der Fifa und Uefa, die sehr zeitaufwendig sind. Noch nie war ein Präsident des DFB in beiden Führungsgremien", sagte der 71-Jährige dem "Hamburger Abendblatt" zu seiner künftigen Position im größten Sportfachverband der Welt.

Wenn man unter Machtverlust versteht, "dass ich nicht mehr für alle Bereiche alleine verantwortlich bin, kann man dies so gerne stehen lassen". Gerade im Hinblick auf die WM 2006 im eigenen Lande würden die Aufgaben immer vielfältiger und umfangreicher. "Ganz nüchtern betrachtet, ist das für einen zu viel", meinte der DFB-Präsident, räumte aber ein: "Von mir aus hätte ich das nicht gemacht, das stimmt." Und hätte es nach dem Aufstand der Regionalchefs keine gemeinsame Lösung gegeben, wäre er in eine Kampfabstimmung gegangen. "Auseinandersetzungen habe ich noch nie gescheut."

Rücktritt sei für ihn nie ein Thema gewesen, unterstich der ehemalige Politiker. "Im Gegenteil. Ich trete doch nicht in die Fußstapfen des letzten Sachsenkönigs, der dem Volk 1918 zurief: 'Macht den Dreck alleine'". Er sei ein Typ mit offenem Visier: "Da gibt es automatisch Freunde und Gegner. Zumal ich zugebe, dass mein Führungsstil der schnellen Entscheidungen nicht jedem schmeckt."

Sorgen mache ihm die Verschuldung der Profivereine von rund 700 Mill. ? - auch wenn dem Immenses an Werten, Stadien oder Sportanlagen gegenüberstehe. Vor allem jene Clubs, die mit Macht an die Fleischtöpfe des internationalen Fußballs wollen und viel Geld investieren, seien am meisten gefährdet, meinte Mayer-Vorfelder und benannte als Grundproblem die zu hohe Bezahlung der Spieler. "Der Schwachpunkt ist aber erkannt, die Personalkosten gehen nach unten."

Vehement werde er an einer Quoten-Lösung beim Einsatz von Nicht- EU-Ausländern arbeiten, "ohne die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zu verletzen". Eine Lösung könnte die Verbindung mit dem Ausbildungsbereich sein, meinte der DFB-Chef und stellte ein Modell ab der Saison 2005/06 mit maximal sechs bis acht Spieler aus dem eigenen Ausbildungssektor auf dem Spielberichtsbogen vor. "Außerdem soll die Zahl der Profis in jedem Club auf 25 limitiert werden", forderte Mayer-Vorfelder.

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