Mayrhuber erwartet deutlichen Ertragsrückgang im ersten Quartal
Lufthansa-Kronprinz mahnt zur Vorsicht

Die Deutsche Lufthansa bekommt auch im ersten Quartal 2002 die schwere Krise im Luftverkehr deutlich zu spüren. Der künftige Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber sieht vor allem Deutschland noch "in einem wirtschaftlichen Winterschlaf". Der Weg zurück in die Gewinnzone sei für Lufthansa steinig und lang.

FRANKFURT/M. Der designierte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber rechnet in 2002 mit einem schweren Jahr für den deutschen Luftfahrtkonzern: "Die Perspektiven sind gegeben, die Normalität ist allerdings noch weit von uns weg", heißt es in einem Schreiben Mayrhubers an die Lufthansa-Mitarbeiter, das dem Handelsblatt vorliegt. Laut Mayrhuber arbeite das Unternehmen nach wie vor in der Verlustzone. Allein für das erste Quartal 2002 erwarte er für das Hauptgeschäftsfeld Passage einen Ertragsrückgang in Höhe von 250 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahr. 2001 hatte das Minus der Passage in den ersten drei Monaten 30 Mill. Euro ausgemacht.

Nach Ansicht von Experten wird der Konzern das erste Quartal 2002 deshalb mit operativ roten Zahlen beenden. "Es würde mich nicht wundern, wenn Lufthansa einen Verlust ausweisen müsste, nach nur 5 Mill. Euro operativem Gewinn im Vorjahresquartal", sagte Gert Zonneveld, Londoner Analyst der WestLB Panmure. Auch Michael Benedikt, Sektorleiter europäische Fluggesellschaften beim Bankhaus Julius Bär, rechnet frühestens zur Jahresmitte mit schwarzen Zahlen. Die ansteigenden Verkehrszahlen würden sich zwar positiv auswirken, aber die stillgelegten Maschinen sorgten weiter für Kapitalkosten, die das Ergebnis belasteten: "2002 ist noch ein schwaches Jahr, aber die Erholung kommt sukzessive."

Lufthansa spürt die Zurückhaltung der Passagiere derzeit vor allem im Inlandsverkehr: "Der Interkont-Bereich wächst über unseren Erwartungen, Europa wächst zufriedenstellend, während Deutschland sich noch in einem wirtschaftlichen Winterschlaf befindet", schreibt Mayrhuber an die Belegschaft. In Branchenkreisen heißt es, die Rückgänge im innerdeutschen Verkehr würden sich bei Lufthansa mit einem Minus von mehr als 20 % bemerkbar machen. Mayrhuber fordert deshalb Geduld: Der Weg vom Verlust zum Gewinn sei noch steinig und lang. Lufthansa hatte Mayrhuber zu Wochenbeginn als Thronfolger von Vorstandschef Jürgen Weber präsentiert. Mayrhuber, derzeit Vorstand des größten Lufthansa-Geschäftsfelds Passage, soll zum 1. April 2002 stellvertretender Vorsitzender werden und Ende 2003 Weber auf dem Chefsessel ablösen.

Wie der bisherige Lufthansa-Boss sieht auch Mayrhuber im Kostenmanagement eine der vordringlichsten Aufgaben. Im Interview mit der Hauszeitschrift "Lufthanseat" kündigte er an, künftig auf bestimmten Strecken die First Class streichen zu wollen: "Dort, wo die Nachfrage nach der First Class besteht, bieten wir das Produkt an. Dort, wo keine Nachfrage existiert und wo auch keine stimuliert werden kann, verzichten wir zugunsten von Business- und Economy-Kapazität auf das Produkt." Das sei wirtschaftlich und generiere neues Geschäft.

Vor einigen Wochen hatte Lufthansa bereits angekündigt, ab Juli 2002 auf jedem Langstreckenflug einen Flugbegleiter streichen zu wollen. Der Konzern spricht offiziell von einem "veränderten Service-Konzept in der Economy-Class". Die Einsparungen sind Teil des konzerneigenen Programms "D-Check", mit dem sich Lufthansa schlanker machen will.

Zugleich setzt Mayrhuber wieder auf eine deutliche Erhöhung der Airline-Kapazitäten zum Sommerflugplan: "Ich gehe davon aus, dass im Sommer circa zehn Flugzeuge der stillgelegten Flotte wieder in den Flugbetrieb gehen werden." Zwei Airbus A310 sollen dabei in Langstreckenflugzeuge umgerüstet werden. Damit würden A340- Jets für andere Langstrecken frei. Die Lufthansa hatte nach den starken Buchungseinbrüchen in Folge der Terroranschläge vom 11. September 43 Maschinen stillgelegt.

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