Mazedonien erwartet Kampf
Nato verstärkt erneut Truppen an der Kosovo-Grenze

Die Nato will ihre Truppen im Süden des Kosovo ein weiteres Mal verstärken, um die Freischärler im benachbarten Mazedonien vom Nachschub abzuschneiden.

Reuters BRÜSSEL. Der Ständige Nato-Rat teilte am Mittwoch in Brüssel mit, die am Montag beschlossene Verstärkung der Nato - Verbände in der Friedenstruppe Kfor sei bereits vollzogen worden. Eine Lagebeurteilung habe aber ergeben, dass die Patrouillen noch ausgedehnt werden könnten. In Mazedonien selbst bereitete sich die Armee auf eine Großoffensive gegen die in den Bergen um Tetovo verschanzten Rebellen vor, als sich abzeichnete, dass sie ein auf Mittwoch Mitternacht datiertes Ultimatum missachten und sich nicht ergeben würden.

"Es werden nun noch mehr Truppen ins Grenzgebiet verlegt", erklärte der Rat, der von den Botschaftern der Bündnisländern am NATO-Sitz gebildet wird.

Bundeswehrsoldaten: Schusswechsel mit Schmugglern

Bundeswehrsoldaten lieferten sich im Grenzgebiet im Kosovo einen Schusswechsel mit Waffenschmugglern. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte am Mittwoch in Berlin, es habe bei einer nächtlichen Grenzpatrouille der Bundeswehr einen Zwischenfall gegeben. Bei dem Schusswechsel mit einem Schmugglertrupp seien zwei Maultiere getötet worden. Es sei den Soldaten nicht gelungen, die Schmuggler festzunehmen, sie hätten aber "eine Menge Waffen" entdeckt. Die Soldaten hätten die Schmuggler nur auf Kosovo-Gebiet verfolgen können, nicht jenseits der Grenze, weil sie dafür kein Mandat hätten. Auf der mazedonischen Seite der Grenze wurden die meisten der dort zur Nachschubsicherung der Bundeswehr im Kosovo stationierten deutschen Soldaten nach Angaben des Sprechers verlegt. 140 Soldaten müssten die Nächte aber noch in der unter Beschuss liegenden mazedonischen Stadt Tetovo verbringen, um dort Lagerbestände zu bewachen.

Eine Sprecherin der Bundesregierung wiederholte nach einem Bericht von Bundesaußenminister Joschka Fischer über die Situation in Mazedonien im Bundeskabinett den Aufruf zum Gewaltverzicht in der Region. Fischer hatte sich am Wochenende vor Ort über die Lage informiert. Die Haltung der Bundesregierung und ihrer europäischen Partner sei klar, sagte die Sprecherin. Man unterstütze die territoriale Integrität Mazedoniens und das Zusammenleben mehrerer Völker in seinen Grenzen.

Russland gibt Westen Mitschuld

Russland gab dem Westen eine Mitschuld am Mazedonien-Konflikt. Außenminister Igor Iwanow sagte am Mittwoch in der mazedonischen Hauptstadt Skopje, die Passivität des Westens habe zur Ausbreitung des Kosovo-Konflikts auf das benachbarte Mazedonien beigetragen.

Über Tetovo im Norden Mazedoniuens lag kurz vor Ablauf eines Ultimatums an die albanischen Freischärler, sich zu ergeben, gespannte Ruhe. Nachdem in der Nacht noch einige Schüsse zu hören gewesen waren, schwiegen am Vormittag die Waffen. Zu den seit einer Woche anhaltenden Kämpfen wird sich der mazedonische Präsident Boris Trajkovski beim EU-Gipfel Ende der Woche in Stockholm äußern.

Armee Mazedoniens plant Großoffensive

Die Armee Mazedoniens bereitete sich auf die Großoffensive vor. Ein Sprecher sagte, Ultimatum und Feuerpause würden respektiert, es gebe aber keine Anzeichen, dass sich die Freischärler der Nationalen Befreiungsarmee zurückzögen. Nach Mitternacht "werden wir mit ihnen in einer Art sprechen, in der jeder mit Terroristen spricht", sagte Regierungssprecher Antonio Milosovski.

Ein Sprecher der Befreiungsarmee sagte der Zeitung "taz" vom Donnerstag, die UCK verfüge im Gebiet von Tetovo über 2000 gut bewaffneter Kämpfer. Ziel sei die Befreiung aller Gebiete, in denen Albaner die Bevölkerungsmehrheit stellten. Sowohl im südserbischen Presevo-Tal als auch im Nordwesten Mazedoniens lebt eine starke albanische Minderheit. Von den zwei Millionen Mazedoniern sind rund ein Drittel albanischer Abstammung.

Schröder und Chirac fordern Ende der Gewalt

Bundeskanzler Gerhard Schröder und der französische Präsident Jacques Chirac forderten ein Ende der Gewalt in Mazedonien. Schröder und Chirac sprachen sich am Dienstagabend im pfälzischen Herxheim für die territoriale Integrität Mazedoniens aus. Der Mazedonien-Konflikt dürfte das wichtigste Thema beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU am Freitag in Stockholm sein. Dort will der mazedonische Präsident Trajkovski über die Lage in seinem Land berichten.

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