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Mazedonische Polizisten töten fünf Rebellen

In der mazedonischen Hauptstadt Skopje haben Polizisten am Dienstag fünf mutmaßliche albanische Untergrundkämpfer getötet. Die fünf seien bei der Stürmung eines Hauses getötet worden, sagte Innenminister Ljube Boskovski.

rtr OHRID. 30 weitere Personen seien festgenommen worden. In der Nähe von Tetovo griffen Rebellen nach Angaben von Regierungstruppen mazedonische Kontrollposten an. Zwischen Regierung und Rebellen besteht seit Ende Juli ein Waffenstillstand, der wiederholt verletzt worden ist. Die Friedensverhandlungen zwischen Parteien der albanischen Bevölkerungsminderheit und der slawisch-mazedonischen Mehrheit waren am Montag ins Stocken geraten, wurden jedoch am Dienstag wieder aufgenommen. Boskovski sagte, die Polizei habe auf einen Hinweis reagiert, Rebellen planten einen Angriff von einer Basis nahe des Dorfes Ariconovo. "Eine terroristische Gruppe hat einen Anschlag auf Skopje geplant und die Polizei hat heute früh einen Einsatz ausgeführt." Bei einem der Getöteten handele es sich um einen Kommandanten der UCK mit dem Code-Namen Teli, sagte er. Die UCK äußerte sich zunächst nicht.

Nach Angaben der Polizei waren im Morgengrauen in dem vorwiegend albanischem Viertel etwa 25 Polizisten eingerückt. Ein Wache stehender Albaner habe sich ergeben, die anderen hätten nach ihren Waffen gegriffen und seien erschossen worden. Nach eigenen Angaben fand die Polizei unter anderem Sturmgewehre und Granatwerfer sowie Munition und Handfeuerwaffen. Eine Nachbarin sagte indes, die Polizei habe keine Waffen gefunden. Andere Nachbarn berichteten: "Sie (die Polizisten) führten uns auf die Straße, wir mussten uns hinlegen und sie hielten uns automatische Waffen an den Kopf. Wir hörten Schüsse im Haus und viel Geschrei."

Ein Kommandant der Rebellen mit dem Code-Namen Leka sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Armee habe in dem Dorf Neprosteno durch nächtliche Angriffe mit Granatwerfern erheblichen Schaden angerichtet. "Wir haben keine Ahnung, was die mazedonische Armee mit solchen Aktionen erreichen will", sagte Leka. Häuser von Zivilisten unter Artilleriebeschuss zu nehmen, trage nicht zum Frieden dieses Landes bei. Berichte über Verletzte gab es nicht. Westliche Kreise bestätigten den Beschuss von Häusern in dem Dorf, nannten jedoch keine Einzelheiten.

Die Mazedonien-Verhandlungen waren am Montag ins Stocken geraten, weil die Mazedonier einem hochrangigem mazedonischen Vertreter zufolge eine Garantie für die schnelle Entwaffnung der Rebellen gefordert hatten. Die Forderung sei fallen gelassen worden. Sollte es zu einem Abschluss der Verhandlungen kommen, soll der Vertrag bei einer Zeremonie in Skopje am Freitag unterschrieben werden. Den Feierlichkeiten soll NATO-Generalsekretär George Robertson beiwohnen.

Der EU-Sondergesandte Francois Leotard sagte, es könne bald ein Friedensabkommen erzielt werden. Leotard sagte in einem Interview des DW-Radio/Mazedonisch, alle Parteien befänden sich fast am Ende der Verhandlungen. Die NATO hat für den Fall einer Friedensvereinbarung zugesagt, mit rund 3500 Soldaten bei der Entwaffnung der albanischen Rebellen im Norden des Landes zu helfen. Die Bundeswehr soll sich nach bisheriger Planung in einer internationalen Einheit mit bis zu 500 Soldaten an dem Einsatz beteiligen. Voraussetzung ist, dass die Rebellen der Entwaffnung zustimmen. Diese kämpfen nach eigenen Angaben für die Rechte der albanischen Minderheit in Mazedonien. Die Regierung wirft ihnen dagegen separatistische Pläne vor.

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