Mazedonischer Sicherheitsrat hält Gewalt weiter für nötig
Kämpfe dauern trotz Einigung auf Friedensvertrag an

Die Gefechte in Mazedonien haben am Donnerstag trotz der Einigung auf einen Friedensvertrag angedauert. In und um Tetovo beschossen albanische Rebellen nach einem Bericht des staatlichen Rundfunks Einrichtungen von Polizei und Armee. Dabei kam in der Nacht ein Polizist ums Leben, ein weiterer wurde verletzt. Der Sicherheitsrat der Regierung in Skopje deutete am Mittwoch an, dass militärische Gewalt weiter nötig sein könnte, um einem Waffenstillstand Geltung zu verschaffen.

ap OHRID. In der Erklärung wurde aber nichts darüber gesagt, ob der Sicherheitsrat bestimmte Maßnahmen erwäge. Die Erklärung war offenbar eine Reaktion auf einen Überfall mutmaßlicher Rebellen auf einen Militärkonvoi, bei dem zehn Soldaten getötet wurden. Die Regierung erklärte den Donnerstag zum Tag der Trauer. Zugleich rief Präsident Boris Trajkovski die Bevölkerung dazu auf, keine Gewalt anzuwenden.

Trotz des Überfalls einigten sich die Konfliktparteien am Mittwoch auf einen Friedensvertrag. Dieser solle am Montag in Skopje unterzeichnet werden, sagte der EU-Gesandte Francois Leotard. Der politische Prozess werde bis dahin fortgesetzt. Die Vertreter der Regierung sowie der mazedonischen und albanischen Volksgruppen hatten vor rund vier Wochen die Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts aufgenommen. Eine Einigung ist Voraussetzung für die Entsendung von Nato-Truppen, die die albanischen Rebellen entwaffnen sollen. Diese hatten im Februar im Grenzgebiet zur serbischen Provinz Kosovo mit den Kämpfen begonnen.

USA zurückhaltend

Das Auswärtige Amt begrüßte den Verhandlungsdurchbruch. Zugleich äußerten sich Regierungsvertreter aber skeptisch, ob die Kriegsgefahr auf dem Balkan damit gebannt sei. Man müsse zunächst abwarten, ob es zu der für kommenden Montag geplanten Unterzeichnung komme, sagte Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Die USA reagierten zunächst zurückhaltend. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte in Washington, es sei noch zu früh zum Feiern. Er verwies darauf, das bis zu einem Nato-Einsatz noch ein Waffenstillstand und ein Zeitplan für die Übergabe der Waffen durch die Rebellen nötig sei.

Der Angriff der Rebellen auf den Konvoi der Regierungstruppen erfolgte etwa 15 Kilometer westlich von Skopje auf der Straße nach Tetovo. Danach entbrannte ein Gefecht, das auch Stunden später noch andauerte. Für die Regierung waren es die schwersten Verluste an einem Tag seit Beginn der Kämpfe im Februar. Zu Berichten über Kämpfe in Tetovo äußerte sich die Regierung zunächst nicht. Augenzeugen zufolge soll der südliche Teil der Stadt an die Rebellen gefallen sein. In Fernsehberichten hieß es, die Rebellen gingen von Haus zu Haus, um slawische Mazedonier zu vertreiben. Dutzende leer stehende Häuser seien niedergebrannt worden.

Sechs albanische Geschäfte zerstört

In Prilep, wo die meisten der getöteten Soldaten wohnten, zerstörten aufgebrachte Menschen sechs Geschäfte von Albanern. Auch die Moschee wurde in Brand gesetzt. Die Feuerwehr wurde an Löscharbeiten gehindert. Als Reaktion auf den Rebellenüberfall demonstrierten in Skopje hunderte Menschen gegen die Regierung und errichteten in der Nähe des Parlaments Barrikaden. Nach Berichten örtlicher Sender wurde in Tetovo ein Albaner getötet, zwei slawische Mazedonier wurden schwer verletzt.

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