MBA-Qualität spricht nicht automatisch für Teilzeit-MBA-Qualität
Anbieter von Teilzeit-MBA: Erfahrung zählt

Sie sind Mitte dreißig und wollen Ihrer Karriere einen neuen Kick geben? Ein Teilzeit-MBA-Programm könnte helfen.

Die beste Alternative zu einem MBA ist der Executive MBA (EMBA). Wer nicht ein oder gar zwei Jahre aus seinem Beruf aussetzen will, um an einem Vollzeit-MBA-Programm teilzunehmen, dem bleibt die allerdings deutlich stressigere Möglichkeit, den begehrten Titel auch im Teilzeitstudium zu erlangen. Der Weg ist hart, weil neben dem eigentlichen Beruf dann nicht mehr viel Freizeit bleibt, aber er führt - nachweislich - zum Erfolg, sprich zum Karrieresprung und mehr Geld. Allerdings nur, wenn man den EMBA an der richtigen Schule gemacht hat. Dann ist eine Verdoppelung des Gehalts keine Seltenheit.

Wegweiser können hier, wie auch bei den "richtigen" MBA-Programmen, die sogenannten Rankings sein. Durch Zufall haben soeben das US-Wirtschaftsmagazin Business Week und die Financial Times, deren Ranglisten Business Schools weltweit respektieren und fürchten, praktisch zeitgleich ihr Executive MBA-Ranking herausgebracht. Business Week zum ersten Mal seit zehn Jahren, die Financial Times (FT) zum ersten Mal überhaupt.

Die Unterschiede könnten größer kaum sein, und der Vergleich beider Rankings wird viele Leser ratlos lassen. Wer Schlüsse aus den Ergebnissen ziehen will, muss deshalb zuerst einmal verstehen, wie sie zustande kommen. Business Week kennt nur zwei Kriterien: die Zufriedenheit der Absolventen und die Meinung konkurrierender Schulen! Das führt naturgemäß zu einer Amerikalastigkeit des Rankings. Die Financial Times interessiert sich etwa gleichgewichtig für den in Gehaltszahlen ausdrückbaren Karrieresprung, die Internationalität und die intellektuelle Kapazität einer Business School.

MBA-Qualität spricht nicht automatisch für Teilzeit-MBA-Qualität

Doch die wichtigste Lehre beider Rankings ist diese: Bislang ist man davon ausgegangen, dass eine Business School, die ein gutes MBA-Programm anbietet, sozusagen automatisch auch ein gutes Teilzeit-MBA-Programm macht, unterrichten hier doch manchmal dieselben Dozenten mit dem gleichen Material. Doch die Rankings zeigen Anderes.

Zwar finden sich mit Wharton (Philadelphia), Kellogg (Chicago), Chicago University, und Stern (New York) Top-MBA-Schulen auch auf beiden Rankings als Top-EMBA-Anbieter wieder. Aber zur EMBA-Spitzengruppe gehören in den USA beispielsweise auch die Guizueta Business School der Emory University in Atlanta und die McDonogh School of Business der Georgetown University in Washington, D.C., die man landläufig nicht zu den allerbesten MBA-Programmen zählen würde. Und umgekehrt.

Bezeichnend etwa der "Absturz" des Executive MBA-Programms der Columbia Business School in New York, einer der führenden Anbieter solcher Programme in den USA. Nimmt man nur das Votum der Absolventen, würde sich Columbia nicht einmal unter den ersten 50 wiederfinden! Ganz offenkundig fühlten sich hier die Studenten des Executive-MBA-Programms vernachlässigt. Es drängt sich also der Verdacht auf, dass einige auch namhafte Schulen ihr EMBA-Programm nur als lukrativen Mitnahmeeffekt sehen.

Qualität des Programms hängt auch von der Qualität der Teilnehmer ab

Bei der London Business School (LBS) hat man aus dem schlechten Abschneiden bei Business Week bereits Schlüsse gezogen. "Dem Programm stehen in Zukunft mehr Ressourcen zur Verfügung", erklärt EMBA-Programmdirektor Inger Pedersen auf Anfrage des Handelsblatts. "Wir haben bereits zahlreiche Verbesserungen eingeführt, darunter auch ein Mentorensystem mit unseren Alumni. Um sicherzustellen, dass unsere Studenten in Zukunft mit dem Programm zufrieden sind, gibt es nun Fokusgruppen."

Im Lichte dieser Rankings muss man solche Programme aber wohl ganz anders bewerten: Mehr noch als für Vollzeit-MBA-Programme gilt für Executive-MBA-Programme der Satz: Die Qualität des Programms hängt von der Qualität der Teilnehmer ab. Der Grund ist leicht einsehbar. Um bei solchen Programmen mit möglichst wenig Präsenz an der Business School selbst auszukommen, liegt die Zahl der "classroom contact hours" deutlich unter der von Vollzeit-MBA-Programmen. Damit wird das vorhandene Wissen der Teilnehmer der ausschlaggebende Erfolgsfaktor. Je mehr ein Teilnehmer an praktischer Managementerfahrung in ein Programm einbringen kann, desto mehr profitieren auch die anderen Teilnehmer. Deshalb sollte man auf der Suche nach guten EMBA-Programmen vor allem auch auf die durchschnittliche Arbeitserfahrung der Teilnehmer schauen. Diese lag beispielsweise bei den besten von Business Week bewerteten Schulen bei neun Jahren, was das hohe Durchschnittsalter von 37 Jahren erklärt.

Auch mit einer anderen weitverbreiteten Vorstellung räumen die beiden Rankings auf. Es ist keineswegs gleichgültig, wo eine Schule angesiedelt ist. "Das Financial Times Executive MBA-Ranking ist eigentlich ein Ranking von Big-City-Schulen", sagt Della Bradshow von der FT. Die Erklärung gibt Business Week: Durchschnittlich fahren EMBA-Kurs-Teilnehmer nicht mehr als 150 Kilometer. Und in den großen Metropolen finden sich naturgemäß mehr geeignete Kandidaten.

Bleibt die Frage nach dem Gehaltssprung. Sie lässt sich eindeutig positiv beantworten. Ein gutes Executive MBA-Programm zahlt sich zweifellos aus: Bei Durchschnittsgehältern zwischen 100 000 und 200 000 Dollar jedenfalls können die Absolventen guter Schulen durchaus zufrieden sein.

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