McCain als Präsidentschaftskandidat nominiert
Sarah Barracuda reißt die Republikaner mit

John McCains Überraschungskandidatin für das Amt des Vizepräsidenten hat alle Zweifel vom Tisch gewischt. In einer harten Rede porträtiert sich Sarah Palin auf dem Parteitag der Republikaner als Bürgermeisterin einer Kleinstadt, die Barack Obama als Liebling der linken Elite entlarvt und Washington auf den Kopf stellen wird wie zuvor Alaska. Sarah Barracuda beißt kräftig zu, erobert Herz und Bauch der Republikaner und gibt der schon fast scheintoten Grand Old Party den Siegeswillen zurück.

HOUSTON. Seit sechs Tagen steht sie im Auge eines politischen Wirbelsturms, doch Sarah Palin zeigt nicht die geringste Unsicherheit. Die 44-jährige Gouverneurin von Alaska hat ihr sonst hochgestecktes Haar etwas konservativer frisiert, wirkt ein wenig altbacken in ihrem Jackett in Altrosa und einer klassischen Perlenkette. Doch sie lässt keinen Augenblick einen Zweifel daran, dass sie für den Kampf ihres Lebens bereit ist: „Ich akzeptiere seine Bitte als Vizepräsident anzutreten und nehme diese große Herausforderung an."

Zuvor hatte die Partei ihre besten Redner aufgeboten. Die drei Ex-Kandidaten Mitt Romney, Mike Huckabee und Rudy Giuliani bieten alles auf, skizzieren mit Frechheit ihre Partei als die eigentliche Opposition gegen alles, was in Washington falsch läuft. Aber sie repräsentieren die Vergangenheit, sie wärmen den Saal nur auf für den neue Star der Konservativen Amerikas.

Ruhig und entschlossen stellt sich Sarah Palin der doppelten Aufgabe, die Partei und die potenziellen Wähler draußen im Land von sich zu überzeugen, all die Gerüchte und Skandalgeschichten der letzten Tage abzustreifen. Und sie schafft es. Den Parteitag gewinnt sie mit ihren ersten Sätzen, in denen sie John McCain voller Bewunderung Tribut zollt. Die liberalen Medien und Demoskopen hätten ihn vor einem Jahr schon abgeschrieben, aber alle hätten seine „Entschlossenheit, Überzeugung und seinen Mumm“ unterschätzt. Er sei „genau der Mann, den ich als Commander in Chief will.“ Und schon kocht der Saal, immer wieder skandieren die 2 400 Delegierten „USA, USA“.

Auf der Ehrentribüne sitzt Palins Famile, die in den letzten Tage soviel Stoff für Spekulationen und Gerüchte gegeben hat. Palin, ganz die stolze Mutter von fünf Kindern, versteckt sie nicht, sondern stellt sie vor und entzieht jeder Kritik den Boden; zum Beispiel der an der Schwangerschaft ihrer unverheirateten 17-jährigen Tochter. Da sitzen sie, der älteste Sohn, der mit 18 demnächst in den Irak-Krieg ziehen wird. Die „drei starken und großherzigen Töchter". Darunter auch die schwangere Bristol, neben ihr der frisch rasierte und nun zur Heirat fest entschlossene Vater des Kindes. Und das Baby, „ein perfekter, wunderbarer Junge mit Namen Trig“.

Jeder im Saal weiß, dass das Kind am Down Syndrom leidet und das es Sorgen gibt, wie Palin Familie und Beruf unter einen Hut bringen will. Denn auch ihr Gatte Todd, in Alaska als „First Dude“ bekannt, hat gut zutun, denn er ist ja auch „ein professioneller Fischer, Gewerkschafter und Snowmobil-Champion“, sagt Palin.

Die Politikerin ignoriert die Kritik, stellt sich als „Hockey Mum“ in die Reihe der vielen Frauen Amerika, die die doppelte Beanspruchung von Familie und Beruf meistern. Und sie will nicht nur ihren eigenen Kindern eine treue Mutter sein, sondern allen Kindern Amerikas, die Hilfe brauchen: „Unsere Familie hat dieselben Aufs und Abs, die gleichen Freuden und Herausforderungen wie jede andere. Und manchmal bringen die größten Freuden die größten Herausforderungen. Ich habe für alle Kinder, die Hilfe brauchen, eine Botschaft: Ich verspreche Euch, in mir habt Ihr einen Freund und Anwalt im Weißen Haus." Eine junge Frau an der Spitze der Republikaner, die Grand Old Partei, plötzlich eine Partei der Frauenrechte.

Wie in jeder Vorstellungsrede bei Demokraten und Republikaner scheint Palin dann ihre eigene Biographie mit den richtigen Stichworten lebendig machen. Nur nebenbei erwähnt sie, die aus Basketball-Zeiten den Spitznamen Sarah Barracuda trägt, dass sie als Hockey-Mum wie ein Pittbull für die Mannschaft ihrer Kinder eintritt – und sie macht beiden Namen alle Ehre. Denn sie benutzt ihren Lebenslauf, um sich als Antithese zum Kandidaten der Demokraten, zu Barack Obama darzustellen. Sie ist bissig, polemisch – aber genau das braucht ihre Partei jetzt, die am Tag zuvor noch eine Ansprache ihres Präsidenten George W. Bush ertragen musste.

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