McCarthy und die „Schafherde“
Zerreißprobe bei den Iren um Keane

Zunächst befürworteten von Keane als Schafe titulierten Spieler den Rauswurf des Leithammels. Dann aber öffnete ausgerechnet der Coach dem Mittelfeldstar eine Hintertür.

dpa IZUMO. Der Fall Roy Keane wird für Irlands Fußballer immer mehr zur Zerreißprobe: Nach einem Aufsehen erregenden TV- Interview des suspendierten Kapitäns, in dem er vor einem Millionen- Publikum um seine Begnadigung bat, überschlugen sich am Dienstag im Quartier des zweiten deutschen WM-Gruppengegners in Izumo die Ereignisse. Zunächst befürworteten am Vormittag die von Keane als Schafe titulierten Spieler in einer gemeinsamen Erklärung den Rauswurf des "Leithammels" und stellten sich demonstrativ hinter den unter Druck geratenen McCarthy.

Dann aber öffnete ausgerechnet der Coach dem 30-jährigen Mittelfeldstar wieder eine Hintertür. "Wenn er sich entschuldigt, werde ich mich mit den Spielern und Delegationsmitgliedern zusammensetzen. Wenn die Spieler ihn zurückhaben wollen, würde ich ihn zurückrufen", verkündete McCarthy am Abend in einer eilends einberufenen Pressekonferenz. Er hatte Keane am Donnerstag nach Hause geschickt, nachdem es zu einem heftigen Wortgefecht mit dem Star von Manchester United gekommen war. Er habe ihn schwer beleidigt, so der Coach, "und er hat gesagt, ich könne weder trainieren noch managen."

Dies hatte auch nach Ansicht der Spieler das Fass zum Überlaufen gebracht. "Das Benehmen von Roy vor seinem Abflug aus Saipan und seine Kommentare danach haben Betreuer und Spieler leider die Ansicht vermittelt, dass seine Abwesenheit zweifellos das Beste für die gesamte Mannschaft ist", hieß es in der Erklärung, die Verbands- Pressechef Brendan McKenna vier Tage vor dem WM-Auftakt gegen Kamerun vorlas. Alle 22 Spieler wurden in einer Krisensitzung um ihre Meinung gefragt - 22 Mal ging der Daumen nach unten.

Dabei wäre wohl alles ganz anders gekommen, hätte Keane in dem am Montagabend ausgestrahlten Interview des irischen Senders RTE sein Fehlverhalten eingestanden. "Wenn er sich entschuldigt hätte, wäre er schon auf dem Weg zurück nach Japan", mutmaßte Routinier Niall Quinn. Doch Keane bat nur um die Rückkehr, ohne von seinem Standpunkt abzurücken. Stattdessen rechtfertigte er sein unflätiges Auftreten gegenüber McCarthy und erneuerte seine Kritik an der Verbandsführung wegen angeblich amateurhafter WM-Planung: "Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Was mit mir in der vergangenen Woche geschehen ist, ist ungerecht." "Ich weiß, er hat via TV zu drei Millionen Menschen gesprochen, aber er hat weder mit mir noch mit irgend einem anderen Mitglied der WM-Delegation geredet", entgegnete McCarthy.

Zugleich stellte er klar, dass Keanes Äußerungen nicht für eine Rückkehr reichten. "Er hat sich nicht entschuldigt. Sein TV-Interview war gut gemanagt und gut vorbereitet, da wurde eine PR-Kampagne inszeniert", so McCarthy. Sollte sich Keane doch noch zu einer Entschuldigung aufraffen, käme es im irischen Team zur Kampfabstimmung. Einige Spieler, so Quinn, seien zur Umkehr bereit. Doch etlichen Profis war auch übel aufgestoßen, dass Keane nach seinem Rauswurf in Interviews auch über Team-Mitglieder despektierlich gesprochen und damit den Ehrencodex verletzt hatte. So hatte Keane sich selbst zum "Wolf" deklariert, der "Schafe" zu führen habe. Konter eines Spielers, der ungenannt bleiben wollte, nach der gemeinsamen Erklärung: "Interessant, was Schafe alles machen können."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%