McKinsey sieht Wachstumspotenzial für die Branche
Zahl der Lebensversicherer soll drastisch sinken

Balsam für die ins Gerede gekommenen Lebensversicherer hatte gestern die Unternehmensberatung McKinsey parat. „Der Branche geht es besser, als viele vermuten“, sagte Oliver Bäte, Versicherungsexperte bei McKinsey.

cd FRANKFURT/M. Balsam für die ins Gerede gekommenen Lebensversicherer hatte gestern die Unternehmensberatung McKinsey parat. "Der Branche geht es besser, als viele vermuten", sagte Oliver Bäte, Versicherungsexperte bei McKinsey. Beruhigend fügte er vor Journalisten in Frankfurt hinzu: "Der Branche droht keine Zahlungsunfähigkeit." Sie habe auf Grund des wachsenden privaten Absicherungsbedarfs vielmehr in den nächsten Jahren gute Wachstumschancen. Die Analyse bezieht sich auf die 50 größten Lebensversicherer in Deutschland mit 93 % Marktanteil - insgesamt gibt es 162 Anbieter.

Doch die gute Botschaft gilt noch lange nicht für jede einzelne Gesellschaft. McKinsey sieht eine Reihe Versicherer mit "hohem Handlungsbedarf". Deren Instrumente reichten aber aus, um die Zahlungsverpflichtungen gegenüber ihren Kunden zu erfüllen. Möglich seien etwa die Senkung der Überschussbeteiligung, die Nutzung erleichterter Abschreibungsbedingungen, die Hebung nicht publizierter Reserven oder die Zuführung von Kapital. Ein echter Ausfall sei derzeit sehr unwahrscheinlich, betonte Bäte.

Auslöser für die Krise einiger Lebensversicherer waren hohe Verluste aus den Aktienengagements. Im Zuge der Turbulenzen an den Kapitalmärkten hat die Branche laut McKinsey rund 40 bis 50 Mrd. an Wertverlusten verbucht, die bis Ende 2002 voraussichtlich zu stillen Lasten von 20 bis 25 Mrd. geführt haben. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) spricht von 15 bis 20 Mrd. stillen Lasten. Zusätzliche Belastungen kommen auf die Anbieter durch steigende aufsichtsrechtliche Anforderungen zu.

Vor dem Hintergrund erwartet Bäte eine "drastische Konsolidierung" unter den Lebensversicherern in Deutschland. Der Trend der Kunden zu kapitalstarken Anbietern werde sich fortsetzen. So hat sich der Anteil der größten fünf Gruppen (Allianz, Ergo, AMB, R+V, Deutscher Herold/Zürich) am Neugeschäft in Deutschland von 1996 bis Ende 2002 von 40 auf voraussichtlich 55 % erhöht. Getrieben werde die Entwicklung auch durch die Maklerschaft, hieß es.

In Anbetracht steigender Anforderungen erwartet Reiner Will von der Ratingagentur Assekurata mehr Auslagerungen durch die Versicherer, beispielsweise im Bereich des Kapitalanlagemanagements. Skeptisch ist er, ob es wirklich zu einer Konsolidierungswelle kommen wird. Vielfach fehlten die notwendigen Synergieeffekte bei Fusionen.

Keine Lösung ist nach Ansicht von McKinsey für die Anbieter das Abwälzen der Risiken auf Kunden, wie dies beispielsweise bei fondsgebundenen Lebensversicherungen geschieht. "Welche komparativen Vorteile hätte eine Lebensversicherung dann noch gegenüber einem Fonds", fragt Bäte. Durch eine solche Vorgehensweise setzten die Versicherer nicht nur ihre Kompetenz aufs Spiel, sie riskierten außerdem die Steuervorteile für die Lebensversicherung.

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