McKinsey-Studie über europäische Vermögensverwaltungsbranche
Deutsche Anleger zahlen moderate Fondsgebühren

In Gesamteuropa geraten die Vermögensverwalter (Asset Manager) unter Ertragsdruck. In dieser Lage scheinen die deutschen Privatanleger keinen überproportionalen Belastungen ausgesetzt zu sein. Diesen Schluss könnten zumindest die Ergebnisse einer Analyse der europäischen Asset-Management-Branche zulassen. Die internationale Unternehmensberatung McKinsey wertete für das Jahr 2000 die Daten von 56 Asset Managern mit einem verwalteten Vermögen von rund 3 000 Mrd. aus. Einbezogen sind die in Investmentfonds (private und institutionelle Kunden) und Pensionsfonds angesammelten Gelder.

FRANKFURT/M. Privatanleger dürften sich insbesondere für die Ergebnisse des europaweiten Gebührenvergleiches im Investmentfondsbereich interessieren. Gebührenführer war danach im vergangenen Jahr Großbritannien. Die Einnahmen der dortigen Investmentgesellschaften beliefen sich auf 194 Basispunkte (gleich 1,94 %) des verwalteten Fondsvermögens für Privatkunden. Davon verbleibt nur etwa ein Drittel bei der Anlagegesellschaft , zwei Drittel erhalten die Vermittler bzw. Kundenberater. "Die deutschen Anleger liegen bei der Gebührenbelastung eher im Mittelfeld", konstatiert Martin Huber, Senior-Projektleiter der Umfrage.

Den deutschen Asset Managern fielen 175 Basispunkte zu. Der Anteil der jährlichen Managementgebühr, die dem Fondsvermögen belastet wird, ist allerdings vergleichsweise gering. Der Großteil der Gesamteinnahmen entfällt auf andere Gebührenposten, insbesondere Ausgabeaufschläge und erfolgsabhängige Gebühren. Den höchsten Anteil mit 77 Basispunkten hat daran der Ausgabeaufschlag als einmalige Kaufgebühr - im Gegensatz zu den anderen europäischen Ländern. Huber: "Insbesondere Italiener und Spanier zahlen geringere Aufschläge bzw. Rücknahmesätze als die deutschen Anleger, dafür höhere Mangementgebühren; das spiegelt die unterschiedlichen Gebührenmodelle in Europa wider."

Stephane Leroy, Objektleiter für die operative Durchführung der Umfrage, macht einen gesamteuropäischen Trend im Fondsgeschäft mit Privatkunden aus: "Vermittler bzw. Berater erhalten einen immer größeren Anteil an den Bruttoeinnahmen der Investmentgesellschaften." In den letzten drei Jahren sei die Quote von 66 auf 69 % gestiegen.

McKinsey schätzt das Gesamtvolumen der europäischen Asset-Management-Branche auf 6 818 Mrd. , entsprechend einem Plus von 8 % gegenüber dem Vorjahr. Nach wie vor dominieren institutionelle Kunden mit einem Zwei-Drittel-Anteil am Volumen das Geschäft. Mit 78 % stammt der Großteil der Einnahmen jedoch von den Privaten: Sie zahlen deutlich höhere Gebühren. Die Gesamteinnahmen stiegen im Jahr 2000 zwar noch einmal leicht auf 59 Mrd. , nachdem sie im Zuge der Börsenhausse in den Vorjahren von 37 auf 54 Mrd. gesprungen waren.

Branche rechnet mit einem weiteren Ertragsrückgang

Dennoch hat die Gesamtbranche Probleme. "Die Erträge sinken", konstatiert Giovanni Viani, als McKinsey-Partner verantwortlich für die Studie. Die Branche kam im Haussejahr 1999 auf 25 Basispunkte des verwalteten Vermögens, im vergangenen Jahr dagegen nur noch auf 23,5 Basispunkte. Und Huber ergänzt: "Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem Ertragsrückgang um weitere 20 %."

Viani nennt die Gründe für die Ertragsschwäche: "Die Netto-Einnahmen stagnierten, während die Kosten stark stiegen." Die stagnierenden Einnahmen führt Viani auf gesunkene Neuinvestments, fallende Fondsvermögen und den Wechsel der Anleger von margenträchtigen Produkten (Aktien) in Fonds mit geringeren Margen (Anleihen und Geldmarkt) zurück.Die Kostensteigerungen seien dagegen in den vergangenen beiden Jahren mit jeweils 10 % p.a. anzusetzen. Diese Aufwendungen lagen im vergangenen Jahr bei 16,9 Basispunkten des verwalteten Vermögens.

Die höchsten Kosten im europäischen Vergleich fallen in Großbritannien und Deutschland an. Einen spürbaren Anteil daran haben die Marketingaufwendungen im Privatkundengeschäft und die generellen Kosten für Informationstechnologie. In Großbritannien spielen auch die steigenden Anforderungen der institutionellen Pensionsfondskunden eine Rolle, die immer höhere Servicequalität einfordern.

"Unter reinen Ertragsüberlegungen ist das Geschäft für die Asset Manager in den südeuropäischen Ländern bei weitem am lukrativsten", stellt Leroy fest. Hier sind die Einnahmen relativ hoch, die Kosten dagegen relativ gering. In der Länderbetrachtung spiegeln sich allerdings die unterschiedlichen Anteile des grundsätzlich ertragsstärkeren Privatkundengeschäftes wider. In Italien und Spanien liegen diese Quoten bei 97 bzw. 78 %, in Großbritannien und Deutschland dagegen bei wesentlich geringeren 27 und 39 %.

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