"McVogts" geizt nicht mit Sprüchen

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"McVogts" geizt nicht mit Sprüchen

Berti Vogts ist nun auch offiziell ein "Schotte", doch er geizt nicht mit flotten Sprüchen und hehren Versprechungen.

dpa GLASGOW. "Ich bringe eine Voraussetzung mit, die in Schottland besonders geschätzt wird. Wo auch immer ich als Nationaltrainer tätig war, wurden meine Teams nie von England bezwungen", betonte der ehemalige Fußball-Bundestrainer am Freitag unter dem Gelächter der Zuhörer bei seiner vom BBC übertragenen Präsentation als neuer Schottland-Coach in Glasgow. In seiner Erklärung, die er in einem ordentlichen, aber durchaus noch verbesserungsfähigen Englisch verlas, forderte er - anders als in früheren Zeiten - die Journalisten locker auf: "Bitte nennt mich Berti McVogts, wenn wir gegen Deutschland spielen."

Damit verschaffte sich der 55-Jährige einen starken Einstand. Selbst der BBC-Kommentator sagte verblüfft über den als "bieder" eingestuften Deutschen: "Damit hat er die Medienmeute überrascht." Zuvor hatte Vogts, dessen bis zum Sommer gültiger Kontrakt mit dem Verband Kuwaits Mitte der Woche aufgelöst wurde, einen Vier-Jahres- Vertrag bis 2006 bei den "Bravehearts" unterzeichnet. Damit steht dem ebenso reizvollen wie Prestige geladenen Duell mit der Auswahl seines früheren Arbeitgebers Deutscher Fußball-Bund (DFB) in der im Herbst beginnenden EM-Qualifikation für Portugal 2004 nichts mehr im Wege. "Das werden sicher interessante Spiele. Erstes Ziel ist die EM- Qualifikation und das wird natürlich schwer", urteilte der Deutsche.

"Das Amt ist für mich eine große Herausforderung für die nächsten vier Jahre, vielleicht sogar für länger. Während Kuwait etwas völlig Neues war, ist Schottland für mich die Rückkehr zum Schmelztiegel des Fußballs", so Vogts. Er ist Nachfolger des nach dem Scheitern in der WM-Ausscheidung zurückgetretenen Craig Brown. Seine Feuertaufe hat Vogts am 27. März im Stade de France in Paris bei Welt- und Europameister Frankreich.

Seit dem EM-Triumph mit der deutschen Mannschaft 1996 in England genießt Vogts hohes Ansehen auf der "Insel". Die enttäuschende Bilanz zuletzt als Kuwaits Auswahlcoach und davor beim Bundesligisten Bayer Leverkusen stört die schottische Verbandsspitze offenbar nicht. "Es ist das erste Mal, dass wir keinen Schotten als Nationalcoach haben, aber trotz des Bruchs mit der Tradition bin ich sehr froh, dass wir diesen Mann verpflichten konnten", meinte SFA-Vizepräsident John McGinn über den Ex-Bundesligaprofi von Borussia Mönchengladbach, 96- maligen Nationalspieler und Weltmeister von 1974.

"Berti und Schottland: Das kann passen", glaubt Jürgen Klinsmann, der unter Vogts Kapitän im DFB-Team war und durch seine Zeit bei den Tottenham Hotspurs Kenner des britischen Fußballs ist. Vogts will die "Bravehearts" wieder in die Erfolgsspur und nach der EM 2004 auch zur WM 2006 nach Deutschland führen. Sein Gastspiel in Kuwait, das nun ohne Vogts am 9. Mai in Freiburg gegen die deutsche Elf antreten wird, endete dagegen eher trostlos: Beim Golf-Cup in Saudi-Arabien blieb der Titelverteidiger weit hinter den Erwartungen zurück. Doch die Enttäuschung war wohl gegenseitig, denn Vogts stellte klar: "Ich bin froh, in den echten Fußball zurückzukehren."

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