MDax und SDax besser als der Dax
Renaissance der kleinen Werte

Der Niedergang der Blue Chips führte in diesem Jahr dazu, dass sich viele Investoren verstärkt Werte aus der zweiten und dritten Reihe ansahen. Lange vernachlässigte Aktien waren plötzlich wieder gefragt. Und wer die richtige Nase hatte, der konnte damit auch am Aktienmarkt sein Geld verdoppeln.

FRANKFURT/M. Die Zahlen zeigen ein eindeutiges Bild: Rund 40% hat der Deutsche Aktienindex (Dax) in diesem Jahr an Wert verloren. "Nur" 30 % beträgt das Minus hingegen im MDax und im SDax. Die Werte aus der zweiten und dritten Reihe gerieten also weniger unter die Räder als die Blue Chips. Die Gründe dafür sind je nach Unternehmen vielschichtig, haben aber in der Summe sehr viel mit der starken Korrelation mit den US-Märkten zu tun. "Die bekamen zuletzt vor allem die Blue Chips zu spüren", sagt Winfried Huthmann vom Fondsmanager Frankfurt-Trust. Da die kleineren Unternehmen aber weniger stark vom US-Geschäft, von Dollar und von amerikanischen Investoren abhängig sind, hielten sich die Verluste in etwas engeren Grenzen.

Ein Trend zeigte sich dabei: Wer in der zweiten Reihe investiert, orientiert sich weniger an der Benchmark, sondern sucht chancenreiche, bisher von der Masse unentdeckte oder vernachlässigte Werte. Als solcher galt lange Zeit die Puma-Aktie, die in diesem Jahr mit Einzug der Retro-Welle eine gewaltige Renaissance feierte. Wer zu Jahresbeginn bei den Franken einstieg, der darf sich über ein Zuwachs von 85 % freuen. Um diesen Aufstieg zu ahnen, genügte teilweise schon ein Blick auf seine Mitmenschen. Die Retro-Treter - einst Ausdruck tiefster Provinzialität - sind allgegenwärtig. Das grün-gelb-rote Kamerun-Trikot ist mit oder ohne Ärmel Kult und Serena Williams kommt im knappen Puma-Dress meist noch besser zur Geltung - oder umgekehrt.

So offensichtlich war der Erfolg der Schwarz Pharma-Aktie nicht zu erkennen. Die Entscheidung der amerikanischen Genehmigungsbehörde FDA, künftig ein Nachahmerprodukt zu Prilosec, dem Umsatzspitzenreiter im Bereich Magenmittel von Astra Zeneca, zuzulassen, ließ den Kurs von Schwarz Pharma seit Mitte Oktober explodieren. Mehr als verdoppelt hat sich die Aktie des Monheimer Familien-Unternehmens seither. Solche Zulassungsentscheidungen kommen für Anleger immer überraschend. Im Vorfeld deutete jedoch manches darauf hin: Der Patentstreit gegen Astra Zeneca wurde gewonnen. Und mit der Darmstädter Merck und dem US-Pharmakonzern Andrx hat Schwarz kooperiert.

Wie Schwarz Pharma finden sich im MDax noch einige Werte, bei denen Investoren noch vor einiger Zeit Kontinuität mit Langeweile gleich setzten. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Längst herumgesprochen hat sich beispielsweise, dass Krones, Weltmarktführer für Getränkeabfüll- und Verpackungsautomaten, wohl auch in diesem Jahr zweistellige Zuwächse erzielen wird. Gleiches gilt für Leoni. Der Nürnberger Automobil-Zulieferer konnte in den ersten neun Monaten des Jahres seinen Gewinn zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Ähnlich erfolgreich ist der bereits 130 Jahr alte Eisenbahnspezialist Vossloh aus dem sauerländischen Werdohl.

Und selbst am Neuen Markt gab es positive Ausnahmen. Hohe Gewinne konnten vor allem mit Aktien von Unternehmen erzielt werden, die nach schwerer Zeit die Rückkehr in die schwarzen Zahlen schafften. Die Liste geht von einigen bereits tot geglaubten Internet-Gesellschaften wie United Internet oder Web.de bis hin zu Software-Unternehmen wie Atoss oder Ixos. Wer Anlegern beweisen konnte, dass eingeleitete Restrukturierungsmaßnahmen auch greifen, war wieder gefragt. Bei vielen Unternehmen folgten jedoch den Worten keine Taten.

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