MDR hat auf synthetische Ecuador-Anleihen gesetzt
MDR verliert Millionen bei Devisenspekulationen

dpa-afx DRESDEN. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat 1999 bei riskanten Geldspekulationen Millionen verloren. Nach Angaben von MDR-Sprecherin Susan Knoll liegt die Summe unter 4 Mill. DM. Knoll verwies auf eine "durchstrukturierte Anlagenpolitik" des MDR, die "sowohl rendite- als auch risikoorientiert" sei.

Dem Bericht zufolge hatte der MDR im Frühjahr 1999 auf einen Anstieg der ecuadorianischen Währung Sucre gesetzt und erwarb von der Dresdner Bank synthetische Ecuador-Anleihen in DM. Diese Anleihen mit einem außergewöhnlich hohen Zinssatz sollten im Herbst 1999 von der dafür eigens gegründeten Gesellschaft Synthetic Ecuador Bond Company zurückgekauft werden. Wäre der Sucre gestiegen, hätte der MDR den Kurs-Gewinn und die hohen Zinsen einstreichen können. Der Sucre fiel jedoch um fast 90 % gegenüber der DM.

Als der Staat Ecuador im Herbst 1999 seine Zahlungsunfähigkeit bekannt gab, versagten selbst die Sicherungsinstrumente, die die Bank gegen solche Kursrisiken eingebaut hatte. Sie kündigte die Anleihe und setzte den Rückzahlungsbetrag auf null.

Die MDR-Sprecherin erklärte zur Anlagepolitik weiter: "In den meisten Fällen realisiert sich die Rendite, manchmal tritt aber auch der Risikofall ein." Unter dem Strich hätten sich für den MDR erhebliche Zinsvorteile ergeben. "In unserer Jahresbilanz 1999 sind immerhin 74,4 Mill. DM Erträge aus Wertpapier-Geschäften ausgewiesen."

Sachsen-Anhalts Regierungssprecher Franz Stänner übte scharfe Kritik an den Währungsspekulationen. "Falls dieser Fall ein Fall für die Rechtsaufsicht ist, dann muss diese auch eingreifen", sagte Sachsens Regierungssprecher Michael Sagurna.

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