Mecklenburgische Lagerstätte bleibt einzige Quelle
Nitrofen-Skandal erreicht konventionelle Landwirtschaft

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums lieferte im vergangenen Jahr ein in Umstellung auf ökologischen Landbau befindliches Unternehmen 72 Tonnen belasteten Weizens an einen Futtermittelbetrieb.

afp BERLIN. Dieser Weizen, der nach Angaben des Parlamentarischen Verbraucherschutz-Staatssekretärs Matthias Berninger (Grüne) eine erhöhte Belastung von 0,346 Milligramm Nitrofen pro Kilogramm enthielt, sei zu konventionellem Tierfutter verarbeitet worden. Bislang wurde Nitrofen nur in Bio-Futter nachgewiesen.

Berninger betonte im Bundestag, auch der neue Fund stamme aus dem Getreidelager im mecklenburgischen Malchin. "Die Quelle Malchin ist eindeutig", andere Herkunftsorte von Getreide mit dem krebserregenden Nitrofen seien nicht festgestellt worden. Zugleich versprach Berninger weitere Aufklärung, da Malchin, das zu DDR-Zeiten zentrales Lager für Pflanzenschutzmittel der drei Nordbezirke war, bereits seit 1995 als Getreidelager genutzt worden sei. Allein 1999 waren es den Angaben zufolge 1500 Tonnen. Das Ministerium gehe davon aus, dass auch hier Belastungen möglich gewesen seien.

Der FDP-Abgeordnete Ulrich Heinrich hielt Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) eine «unverantwortliche» Informationspolitik vor. Nach Ansicht des CDU-Abgeordneten Heinrich-Wilhelm Ronsöhr hat die Bundesregierung bei der Aufklärung des Nitrofen-Skandals völlig versagt. Diese Vorwürfe wies die SPD-Abgeordnete Jella Teuchner entschieden zurück und verwies auf die Verantwortung von Futtermittelherstellern und Wirtschaft. Für die Grünen-Parlamentarierin Ulrike Höfken können schärfere Gesetze nicht Missbrauch verhindern. Die PDS-Abgeordnete Eva Bulling-Schröter wies darauf hin, dass entgegen bisheriger Hoffnungen doch nitrofenbelastete Nahrungsmittel in den Handel gelangt seien.

"Der Nitrofen-Skandal ist nach wie vor unter Kontrolle", versicherte hingegen der Staatssekretär. Alle belasteten Lieferungen stammten aus Malchin. Da der Herkunftsort eingegrenzt sei, könne man nicht pauschal von einer Ausweitung des Skandals auf die konventionelle Landwirtschaft sprechen. Zugleich appellierte Berninger an die Opposition, das Verbraucherschutzgesetz nicht länger im Bundesrat zu blockieren. Dieses Gesetz würde zu einer "neuen Informationskultur" in den Behörden führen. Lebensmittelsicherheit würde nicht länger von "Geheimwissen" abhängen.

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