Medaillen-Hoffnung
Hammer und Speer im Ehrenkranz

Warten auf den großen Wurf: Seit 1999 haben die deutschen Leichtathleten bei Weltmeisterschaften und Olympia kontinuierlich an Boden verloren. Nun ruhen alle Medaillen-Hoffnungen auf Betty Heidler und Christina Obergföll.

PEKING. Eigentlich wollte Christina Obergföll am Sonntag der Einladung ihres Ausrüsters nachkommen. Doch dann verhinderten die „Häppchen und Getränke“, die sie womöglich in der VIP-Lounge eines japanischen Unternehmens zu sich genommen hätte, ihren Besuch. „Wir haben früher wegen der Hygiene schon negative Erfahrungen gemacht“, sagt Jürgen Mallow, Cheftrainer der deutschen Leichtathleten. Und hygienisch sei Peking nun mal nicht. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wolle die Sportler keinem unnötigen Risiko aussetzen, wenn sie Canapées und Getränke gereicht bekommen. Dann polterte Mallow noch, dass „das hier doch nicht die Olympischen Spiele der Sponsoren sind“.

In diesem Punkt zumindest irrt Mallow, denn die Sponsoren finanzieren fast 40 Prozent der Veranstaltung. Gleichwohl ist die Sorge um das Wohlergehen seiner Speerwerferin verständlich. Schließlich weiß er nicht, wer sonst von seinen Athleten eine Medaille gewinnen soll, wenn nicht seine Athletinnen. Auch in Athen vor vier Jahren brachten Kugelstoßerin Nadine Kleinert und Speerwerferin Steffi Nerius als einzige Edelmetall (Silber) mit nach Hause. Es war das schlechteste Ergebnis der deutschen Leichtathleten seit den Spielen 1912 in Stockholm.

Mallow ist sich in diesen Tagen nicht mehr sicher, ob es in Peking nicht noch schlimmer kommen könnte. Nach der Absage von Franka Dietzsch, Goldfavoritin im Diskuswerfen, „haben wir diesmal nicht die sicheren Medaillenkandidaten“, sagte unlängst auch DLV-Chef Clemens Prokop. „Nur Robert Harting, Obergföll, Kleinert und Nerius können eine machen.“ Also müssen sie unbedingt gesund bleiben.

Als Prokop über die Medaillenchancen sprach, konnte er noch nicht wissen, dass Kleinert am Samstag nur Siebte im Kugelstoßen wurde und sich Diskuswerfer Robert Harting mit 67,09 Metern und dem vierten Platz verabschieden würde: „Ich halte es nicht mehr aus und werde ins Mannschaftsbüro gehen, um eine frühere Rückreise zu bekommen.“ Bleiben dem DLV also noch Obergföll, Nerius und Heidler. Zwar wollte Obergföll gestern nicht bestätigen, dass das Ausgehverbot eine sinnvolle Maßnahme gewesen sei, Mallow dürfte ihre Qualifikationsweite von 67,52 Meter aber in seinem Sinne gedeutet haben.

Seite 1:

Hammer und Speer im Ehrenkranz

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%