Medaillenhoffnung
Fechter wollen an alte Erfolge anknüpfen

Die lästigen Europameisterschaften in Kiew sind abgehakt, jetzt haben die deutschen Fechter nur noch goldene Olympia-Träume. Die Ergebnisse der mitten in der Vorbereitung ungünstig terminierten Generalprobe haben die Hoffnungen auf Edelmetall bei den Olympischen Spielen in knapp einem Monat bestätigt, zuweilen sogar gesteigert.

"Wir haben wieder Typen in der Spitze. Das Feld war noch nie so gut bereitet wie jetzt", sagte Claus Janka, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (Dfeb). Der Optimismus überwiegt in allen Waffen, was vor allem an den gleich sechs realistischen Medaillen-Kandidaten im neunköpfigen Dfeb-Aufgebot liegt.

Sechs realistische Medaillenkandidaten

Die Florett-Fechter Peter Joppich (Koblenz) und Benjamin Kleibrink (Bonn), die Degen-Spezialistinnen Britta Heidemann (Leverkusen) und Imke Duplitzer (Bonn), aber auch Nicolas Limbach (Dormagen) mit dem Säbel und Carolin Golubytskyi (Tauberbischofsheim) im Florett-Wettbewerb dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf den Sprung aufs olympische Treppchen machen.

Im Olympia-Team stehen zudem die erst 18 Jahre alte Säbel-Fechterin Alexandra Bujdoso (Koblenz) sowie Katja Wächter und Anja Schache (beide Tauberbischofsheim), die mit dem Florett im Einzel- und Teamwettbewerb antreten werden.

Bereits vor Wochen hatte der Dfeb ehrgeizige Ziele ausgegeben und sich an der erfolgreichen Ära mit Anja Fichtel vor 20 Jahren orientiert. "Wir haben im Einzel ein Potenzial wie 1988 und erwarten von den Sportlern nicht zu viel, wenn wir glauben, dass sie an die Erfolge von Seoul anknüpfen können", erklärte Dfeb-Präsident Gordon Rapp.

Stärkste deutsche Mannschaften nicht vertreten

Dreimal Gold und zweimal Silber wie in Südkorea dürften in Peking allerdings kaum zu realisieren sein, da die stärksten deutschen Mannschaften der Florett-Männer und Degen-Frauen in China wegen der olympischen Rotation der Waffen nicht vertreten sein werden.

Nun müssen die Grundlagen für die angestrebten Erfolge gelegt werden. "Die EM war eine Meisterschaft, bei der es zwar um Titel ging, aber das war diesmal untergeordnet. Wichtig war vor allem, dass die Athleten mental gut aus dem Turnier rausgehen", sagte Janka.

Dieses Unternehmen darf nach zweimal Silber für Martin Schmitt (Degen/Tauberbischofsheim) und das Degen-Team mit dem Olympia-Duo Heidemann/Duplitzer sowie zweimal Bronze für Limbach und Golubytsyki als geglückt bezeichnet werden. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die meisten deutschen Medaillen-Hoffnungen für Peking ihr Potenzial nicht voll ausschöpften.

Schlechter Zeitpunkt der EM

Das war auch dem Zeitpunkt des Turniers in der ukrainischen Hauptstadt geschuldet, bei dem auch zahlreiche andere internationale Top-Fechter hinter ihren Möglichkeiten blieben.

Der dreimalige Weltmeister und Olympia-Favorit Joppich war beispielsweise direkt aus dem Trainingslager in Berchtesgaden zur EM gereist und dann aus dem für ihn weitgehend belanglosen Wettbewerb früh ausgeschieden.

"Ich hatte seit knapp vier Wochen kein Florett mehr in der Hand. Da fehlt das Gefühl für die Waffe", meinte der Olympia-Sechste von 2004 in Athen. Konditionelle Grundlagen waren zunächst gelegt worden, der Feinschliff erfolgt erst in den kommenden Wochen. Die meisten deutschen Athleten werden in der Heimat für das Großereignis trainieren, einzig die im Säbel-Einzel startenden Limbach und Bujdoso werden noch in Ungarn und Hongkong auf Lehrgänge gehen.

"Wir sind gut aufgestellt"

Für Bundestrainer Didier Ollagnon, dessen Degen-Männer sich als einzige nicht für Olympia qualifiziert hatten, besteht kein Zweifel: "Für Olympia sind wir gut aufgestellt. Und wir können auch in Zukunft eine sehr starke Mannschaft bilden." In Peking soll die erfolgreiche Zukunft bereits beginnen.

© SID

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