"Media Player" im Blickpunkt
Microsoft drohen harte Auflagen in Europa

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti bereitet nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" vom Freitag strenge Auflagen gegen Microsoft vor.

dpa HAMBURG. Ähnlich wie die Kläger im US- Kartellprozess will Monti den weltgrößten Softwarekonzern zwingen, eine abgespeckte Version seines Betriebssystems Windows zu veröffentlichen. Montis Forderungen gehen dem Bericht zufolge weit über den Kompromiss hinaus, der sich im US-Kartellprozess abzeichnet. Unterdessen haben die neun klagenden US-Bundesstaaten nach Medienberichten einen angekündigten Zeugen überraschend zurückgezogen.

Wettbewerbskommissar Monti will nach dem Bericht der "FTD" Microsoft zwingen, den "Media Player" aus seinem Betriebssystem Windows herauszulösen. Der "Media Player" dient zum Abspielen von Musik und Videos und ist bislang fest in das Betriebssystem integriert. Monti habe Bedenken, dass Microsoft seine marktbeherrschende Position ausnutzt. Mit dem "Media Player" konkurriert das Unternehmen mit dem US-Konzern Real Networks und dessen "Real Player".

Zuletzt hatte Microsoft-Gründer Bill Gates in dem bereits rund vier Jahre währenden Kartellprozess in den USA argumentiert, dass Windows ohne fest installierte Softwarebestandteile technisch nicht realisierbar wäre. Neun US-Bundesstaaten fordern von dem Konzern ebenfalls, eine abgespeckte Windows-Version anzubieten. Unter anderem soll Microsofts Internet-Browser aus dem Betriebssystem entfernt werden. Gates hatte diese Forderungen mit der Begründung zurückgewiesen, dass eine Light-Version von Windows überhaupt nicht funktionsfähig wäre.

US-Zeuge nimmt Aussage zurück

Unterdessen haben die neun klagenden US-Bundesstaaten nach amerikanischen Medienberichten einen letzten Zeugen überraschend zurückgezogen, der erst Anfang der Woche von der Richterin Colleen Kollar-Kotelly zugelassen worden war. Der Zeuge James Bach sollte am 15. Mail vor Gericht vorführen, dass eine modulare Windows-Version durchaus möglich wäre. Microsoft-Anwälte kündigten an, mehrere Wochen für die Analyse und Durchsicht des riesigen Informations-Materials zu benötigen. Da sich der für Ende nächster Woche geplante Schluss der Anhörungen dadurch weiter verzögert hätte, zogen die Kläger ihren Zeugen nun zurück.

In Europa könnten die Forderungen der Wettbewerbshüter auch in anderen Punkten über den US-Kompromiss hinausgehen. So erwägt Monti der "FTD" zufolge außerdem, dass Microsoft seinen Wettbewerbern wichtige Informationen zu Programm-Schnittstellen von Windows offen legen soll. Bislang mache es Microsoft Wettbewerbern wie Sun Microsystems schwer, ihre Serversoftware an Windows anzupassen. Das EU-Verfahren soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

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