Mediaplaner- Beruf der Zukunft
Herr der Werbung

Mediaplaner entscheiden über den Einsatz von Werbegeldern - ein Beruf, der in Zeiten knapper Kassen immer wichtiger wird.

HB DÜSSELDORF. Wenn Svea Wilkens auf einer Party nach ihrem Beruf gefragt wird, antwortet sie meist: "Ich gehöre zu denen, die in der Werbebranche mit dem meisten Geld umgehen." Um ihrem Gesprächspartner allerdings alle Facetten ihres Berufes zu erläutern, wäre die Junior-Mediaplanerin einen ganzen Abend beschäftigt.

Grundsätzlich sorgen Mediaplaner dafür, dass eine Werbekampagne von der anvisierten Zielgruppe auch wahrgenommen wird. Sie müssen sämtliche Mediengattungen kennen - Print, Hörfunk, Fernsehen, Plakat, Kino und Internet - und die Medienlandschaft ständig im Blick haben. Sie entscheiden, welcher Werbeträger zur Kampagne passt und wo, wann und wie oft eine Werbung geschaltet werden muss, damit ihr Ziel erreicht wird. Dabei müssen sie im Rahmen des Budgets bleiben. Markt- und Zielgruppenanalysen, Mediapläne sowie Termin- und Kostenplanung gehören zum Alltag. Außerdem müssen Mediaplaner mit Konzepten überzeugen und den Erfolg ihrer Strategie nachweisen.

Doch als Zahlenknechte oder Erbsenzähler möchten die Organisatoren nicht gelten: "Sicherlich ist Spaß an Zahlen eine Voraussetzung für den Beruf, doch wir setzen uns kreativ und analytisch mit den Zahlen auseinander", sagt die Hamburger Planerin Wilkens. Neugier, flexibles Denken und Kommunikationsfähigkeit sind auch nötig, sagt Manuela Speckamp-Schmitt, Geschäftsführerin der Düsseldorfer Agentur Mediacom.

"Der Bedarf an qualifizierten Leuten wird weiter steigen"


Zwar gibt es kaum gesicherte Zahlen über den Personalbedarf, doch innerhalb der Werbebranche gilt der Beruf des Mediaplaners als attraktiver Arbeitsplatz mit besten Karrierechancen und guten Verdienstmöglichkeiten. Ein Juniorplaner verdient zwischen 25 000 und 30 000 Euro. Das Jahresgehalt eines Mediadirektors mit rund sechs Jahren Berufserfahrung und Führungsverantwortung liegt bei 80 000 Euro und ist nach oben offen.

"Der Bedarf an qualifizierten Leuten wird weiter steigen", prophezeit Michael Bohn, Chef der Düsseldorfer Agentur More Media. Und Thomas Koch, Chef der Düsseldorfer Agentur TKM Starcom ergänzt: "Der Beruf entwickelt sich in Richtung des Kommunikationsberaters, der nicht nur mit den klassischen Medien, sondern mit sämtlichen Marketingtools vertraut sein muss." Die Mediaagentur sei für viele Kunden heute die Schaltzentrale aller kommunikativen Maßnahmen. "Doch gut ausgebildete Generalisten, die medienübergreifend beraten können, sind dünn gesät", sagt Axel Pichutta. Der Chef der Wiesbadener Agentur Dr. Pichutta Media ist im Branchenverband Organisation Media-Agenturen im GWA (OMG) für das Thema Ausbildung zuständig.

Kein geregelter Ausbildungsweg


In der Vergangenheit haben sich die Mediaagenturen nur wenig um die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter gekümmert. Bis heute gibt es keinen geregelten Ausbildungsweg. Als klassischer Einstieg gilt immer noch eine Ausbildung zum Werbekaufmann. Laut einer Befragung des Branchenverbandes halten 71 % der OMG-Mitglieder dessen Ausbildungsinhalte für nicht mehr zeitgemäß. Auch an Universitäten und Hochschulen findet das Thema Media nur am Rande statt.

Viele, vor allem große Agenturen, betreiben deshalb seit kurzem in den Hochschulen aktive Öffentlichkeitsarbeit und bilden ihren Nachwuchs im eigenen Haus aus. Als Alternative zum Werbekaufmann starten Abiturienten bei der Düsseldorfer Mediacom als Volontäre. Hochschulabsolventen steigen als Trainees ein und erlernen das Handwerkszeug in einem Jahr als "Training on the job". Mediacom beschäftigt im Jahr rund 40 bis 60 Trainees und Volontäre. "Ergänzt wird die Ausbildung durch agenturinterne Seminare", sagt Speckamp-Schmitt. Auch die HMS & Carat Gruppe forciert seit zwei Jahren das Thema Aus- und Weiterbildung.

"Zur internen Personalentwicklung gehören beispielsweise regelmäßige Coaching- und Feedbackgespräche. Daraus entwickeln wir für jeden Mitarbeiter ein individuelles Trainingsprogramm", sagt Human-Resources-Chef Philipp Kurtenbach. Rund eine Million Euro jährlich investiert die Agentur in die hauseigene HMS & Carat Academy, deren Angebot von der fachlichen Schulung bis hin zum Persönlichkeitstraining reicht.

Bei More Media gibt es schon seit Gründung der Agentur 1993 ein festes Fortbildungsprogramm für Einsteiger und Profis zu Themen wie beispiels-weise Mediatools, Mitarbeiterführung und Zeitmanagement. Auch Initiative Media in Hamburg bietet ihren Mitarbeitern seit 1998 wöchentlich Vorträge zu Mediathemen, wie Christa Pfennigschmidt, Direktor Human Resources betont.

Berufsbegleitende Werbefachschulen


Längst nicht alle Agenturen leisten sich solche kostspieligen eigenen Weiterbildungsprogramme. Viele Media-Eleven sind deshalb auf externe berufsbegleitende Werbefachschulen beispielsweise die Frankfurter Mediaakademie oder die Bayerische Akademie für Werbung angewiesen. Diese Abendkurse werden von vielen Arbeitgebern finanziell unterstützt. Eine zehnmonatige Vollzeitausbildung zum Mediaexperten bietet die WBS Training AG in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Stuttgart. Diese Tageskurse werden vom Arbeitsamt gefördert.

Jobs finden Mediaplaner allerdings nicht nur in Agenturen. Auch große Markenartikelunternehmen wie beispielsweise Unilever oder Langnese-Iglo haben ihre eigenen Mediaabteilungen. Das gleiche gilt für TV-Sender und Zeitschriftenverlage. Dorthin zieht es auch Svea Wilkens: "Ich könnte mir gut vorstellen, nach einigen Jahren mal die Seiten zu wechseln und auf der Kundenseite im Mediabereich zu arbeiten."

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