Mediaset hat Kirch-Beteiligung abgeschrieben
Berlusconi winkt demonstrativ ab

Auf die Hilfe seines alten Freundes Silvio Berlusconi kann Leo Kirch in seinen schwersten Stunden offenbar nicht setzen.

MAILAND. Mediaset, die von der Familie des italienischen Ministerpräsidenten kontrollierte Fernsehholding, hat am Mittwoch erstmals eine Übernahme der Kirch-Media kategorisch ausgeschlossen. "Derlei Pläne gibt es nicht. Wir haben nicht die Absicht, noch mehr Geld in diese Sache zu stecken", sagte Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri in Mailand.

Er klagte darüber, dass die Gerüchte über einen möglichen Einstieg der Italiener in den deutschen Fernsehmarkt derart polemische Reaktionen ausgelöst haben: "Wenn man diverse Zeitungen liest, drängt sich der Eindruck auf, die Deutschen hätten Angst vor einer Invasion der Barbaren." Mediaset gab bekannt, vorsorglich vier Fünftel seiner 2,28 %igen Beteiligung an Kirch Media bilanziell abgeschrieben zu haben. Ein Manager der Berlusconi-Familienholding Fininvest, die weitere 2,48 % hält, sagte dem Handelsblatt, dass man auch mit einer Pleite Leo Kirchs leben könne: "Das raubt uns nicht den Schlaf. Schwerer haben es die Gläubigerbanken." Die Führung von Mediaset zeigte sich außerdem bemüht, Befürchtungen von Marktteilnehmern zu entkräften, das Unternehmen werde wegen Kirch seine erfolgreiche und im Wesentlichen defensive Strategie aufgeben.

In Italien befindet sich Mediaset seit mehr als zehn Jahren in einer beneidenswerten Situation. Dank Sendelizenzen, die Berlusconi auf wundersame Weise vom damaligen Premier, dem Sozialistenchef Bettino Craxi, zugeschustert worden sind, konnte sich das Unternehmen als einziger echter Konkurrent des Staatsfernsehens Rai positionieren. Die italienische Fernsehlandschaft ist dadurch heute faktisch ein Duopol. Mit einem Marktanteil von 43,2 % (+ 0,9 % gegenüber 2000) sind die drei Berlusconi-Sender im vergangenen Jahr den drei Kanälen der Rai (47,6 %; -1,7 %) beachtlich näher gerückt. Konkurrenten wie der im Jahr 2000 von der Telecom Italia übernommene Sender Telemontecarlo (heute La Sette) spielen keine Rolle.

Behauptungen, Berlusconi habe seine Fernsehmacht stets für eigene Zwecke missbraucht, zielen allerdings in die falsche Richtung. In erster Linie verbreiten seine drei Sender Italia 1, Canale 5 und Rete 4 eine Mischung aus dümmlichen Gewinnspielen, seichten Talk-Shows und leicht verdaulichen Actionfilmen, die nur eines gemeinsam haben: Sie sind billig zu produzieren. Die Informationssendungen ähneln in ihrer Machart und Tendenz jenen im staatlichen Fernsehen Rai. Die Qualität der Nachrichten erreicht hüben wie drüben kein europäisches Niveau. Politische Informationen werden lediglich im quotenschwächsten Mediaset-Produkt Rete 4 stets auf Berlusconi zugeschnitten. Chefredakteur Emilio Fede gilt als treuer Vasall des "Cavaliere".

Anders sieht die Situation im Flaggschiffsender Canale 5 aus. Die Acht- Uhr-Nachrichten berichten genauso proporzversessen und oft nichts sagend wie die Konkurrenz in Rai 1. Bei den Beiträgen zum missglückten G7-Gipfel in Genua waren die Mediaset-Journalisten sogar deutlich regierungskritischer als ihre Kollegen von der Rai. Und die tägliche Canale-5-Satiresendung "Striscia la notizia" nimmt Berlusconi mindestens ebenso aufs Korn wie dessen politische Widersacher.

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