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Mediator soll Streit zwischen Fiat und GM um Put-Option schlichten

Die Autokonzerne General Motors (GM) und Fiat wollen ein Schlichtungsverfahren einleiten, um im Streit um die Verkaufsoption der Italiener für ihre Autosparte zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Dies teilte Fiat am Mittwoch in Turin mit.

dpa-afx TURIN/DETROIT. Die Autokonzerne General Motors (GM) und Fiat wollen ein Schlichtungsverfahren einleiten, um im Streit um die Verkaufsoption der Italiener für ihre Autosparte zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Dies teilte Fiat am Mittwoch in Turin mit. "Dieser Prozess, der auch direkte Gespräche der beiden Vorstandsvorsitzenden vorsieht, hat das Ziel, den Streit zu lösen, bevor andere Wege eingeschlagen werden", hieß es in der Fiat-Mitteilung. Allerdings halte sich Fiat weiter vor, vor Gericht zu ziehen.

Das Mediationsverfahren soll den Angaben zufolge einen Monat dauern. Bei dem Streit geht es um die so genannte "Put Option", die Fiat im Jahr 2000 mit GM vereinbart hatte. Damals hatten die Turiner rund 20 Prozent ihrer Autosparte an die Amerikaner verkauft, mit der Option, auf eigenen Wunsch auch die restlichen 80 Prozent an GM zu veräußern. Die Klausel würde ab dem 24. Januar 2005 in Kraft treten und bis Juli 2010 gültig sein. Allerdings hält General Motors die Option nicht mehr für rechtens, während Fiat auf ihre Gültigkeit besteht.

Gespräche AN Geheimem ORT

Am Dienstag hatten sich die Konzernspitzen, darunter GM-Chef Richard Wagoner und der Fiat-Vorstandsvorsitzende Sergio Marchionne, an einem geheim gehaltenen Ort zu Gesprächen getroffen. Unbestätigten Presseberichten zufolge sollen die Verhandlungen am Bodensee stattgefunden haben. Beide Seiten sollen nach Informationen aus Branchenkreisen bei ihren Positionen geblieben sein.

Sowohl GM als auch Fiat haben nach Ansicht von Beobachtern jedoch nicht zuletzt wegen der drei gemeinsam betriebenen Jointventures ein Interesse an einer gütlichen Einigung und einer Weiterführung der Zusammenarbeit. Allein durch das "Einkaufs-Joint-Venture wird ein dreistelliger Millionenbetrag eingespart", hieß es in den Kreisen. Beide Unternehmen profitierten von den Joint Ventures in gleichem Sinne "Es ist eine Win-Win-Situation", hieß es.

Sollte sich Fiat jedoch dennoch entschließen, rechtliche Schritte gegen General Motors einzuleiten, könnte eine Entscheidung nach Ansicht von Beobachtern Jahre dauern. "Diese Zeit hat Fiat nicht", hieß es am Mittwoch. Der Konzern, bei dem sich enorme Verluste von 1 Milliarde Euro pro Quartal anhäuften, stehe unter Zugzwang, nach anderen Lösungen zu suchen.

Finanzielle Entschädigung

GM vertritt die Meinung, Fiat habe durch seine Kapitalerhöhung und den Verkauf des profitablen Bankengeschäfts (Fidis) die Eigentümerstruktur geändert und damit den Vertrag zu der Option gebrochen. Deshalb sei die Option ungültig. Durch die Kapitalerhöhung ist der GM-Anteil an der Fiat-Autosparte inzwischen auf zehn Prozent gesunken. Beobachter erwarten nun, dass Fiat anstelle eines rechtlichen Streits von GM eine finanzielle Entschädigung verlangen könnte.

Italienische Medien spekulierten, Fiat könnte gegen eine GM-Zahlung von 500 Mill. bis zu einer Milliarde Euro auf die Durchsetzung der Verkaufsoptionen verzichten. Diese Summe wird in Branchenkreisen aber als deutlich zu hoch angesehen. Realistisch sei eine Summe "im unteren dreistelligen Millionenbereich", hieß es. GM selbst hatte vor geraumer Zeit seinen Anteil in den Büchern von 2,4 Mrd. auf 200 Mill. Dollar abgewertett. Damit würde der Restanteil an der Fiat-Autosparte etwa mit 800 Mill. Dollar bewertet.

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