Medien
Der Traum vom europäischen CNN

Auch Staatspräsidenten träumen gerne. Jacques Chirac hatte kürzlich im Kampf um die Meinungs-Lufthoheit eine Art europäisches CNN gefordert.

Die Macht von CNN, ein Ableger des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner, ist nicht nur den Franzosen in diesen Kriegszeiten ein Dorn im Auge. Denn Siege werden nicht nur auf Schlachtfeldern, sondern auch in Wohnzimmern errungen. Diese Erkenntnis sollte eigentlich bereits nach dem ersten Golfkrieg mit der Gründung des europäischen Nachrichtenkanal Euronews umgesetzt werden. Doch nicht nur von Monsieur Chirac blieb der Lyoner Sender - ein Joint-Venture 20 öffentlich-rechtlicher Sender und des britischen Kanals ITN - unbemerkt.

Die Quote liegt in vielen Ländern unter der Wahrnehmungsgrenze. Von einem Gegengewicht zur medialen US-Übermacht kann keine Rede sein. Auch im 10. Jahr seines Bestehens bleibt Euronews am Markt chancenlos. Jetzt wollen die beiden ITN-Gesellschafter Carlson und Granada ihre Anteile verkaufen. Die einzigen Käufer, die noch in Frage kommen, sind gebühren- oder steuerfinanzierte Sender. Damit ist der Traum eines europäischen CNN (finanziert aus Werbung) bereits geplatzt. Voilà!

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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