Medien im Libanon-Konflikt
„Was darf es sein?“

Kriege werde heute nicht allein auf dem Schlachtfeld geführt - auch in den Medien. Israel und die Hisbollah setzen im Kampf um die öffentliche Meinung ungleiche Waffen ein. Jede Seite versucht, den Medienkrieg zu gewinnen. Und die Reporter sind immer wieder mit der Frage konfrontiert: Wie gewichtet man?

TEL AVIV. Kriege werde heute nicht allein auf dem Schlachtfeld geführt - auch in den Medien. Deshalb richtete Israel gleich nach Kriegsbeginn im Norden des Landes zwei Kommunikationszentren ein. Sie bieten den anreisenden Journalisten nicht nur Informationen über den Kriegsverlauf, sondern auch komplette Drehbücher für Geschichten, Telefonnummern sowie Adressen der Akteure inklusive.

"Was darf es sein?", fragt ein hilfsbereiter Sprecher des Außenministeriums. Ein Besuch bei einer der Familien, die auf die Rückkehr ihres entführten Sohnes warten? Oder lieber ein Augenschein in einem unterirdischen Krankenhaus in Naharia? Oder vielleicht doch eher ein Gespräch mit einem Offizier an der Front?

Immer wieder ist man als Reporter mit der Frage konfrontiert: Wie gewichtet man? Man sieht die Häuser und Wohnungen, die durch Katjuscha-Raketen beschädigt oder zerstört wurden, fährt durch die ausgestorbenen Städte Naharia, Kirjat Schmone oder Metulla, sieht sich das leergefegte Zentrum von Haifa an, hört sich Schicksale von Kranken oder Alten in Bunkern an, für die seit 30 Tagen Sonnenlicht ein seltener Luxus ist - und weiß gleichzeitig: Wenige Kilometer nördlich ist es noch brutaler. In Beirut oder Tyrus werden ganze Stadtteile platt gewalzt.

Nachrichten aus Israel, dessen Norden aufs Schwerste in Mitleidenschaft gezogen worden ist, dringen deshalb weniger ins Bewusstsein westlicher Medienkonsumenten, meint man in Jerusalem. Im Angebot des Aussenministeriums findet sich deshalb der Vorschlag, mit der Feuerwehr von Kirjat Schmone auf Patrouille zu gehen.

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