Medienanstalten fordern TV-Sender zu Verhandlungen mit der Industrie auf
“Set-Top-Box nur mit Common Interface anbieten”

jgo DÜSSELDORF. Die Fußball-WM 2002 naht und keiner weiß bis heute, wie das weltweite Sportereignis von der digitalen Settop-Box auf den Fernseher gelangt. Die Kirch-Gruppe will die Programmsignale für die WM 2002 und 2006 für die digitale Ausstrahlung via Satellit verschlüsseln, um ihre Vermarktungschancen in Ländern außerhalb Deutschlands zu wahren. Aus diesem Grund empfehlen die Landesmedienanstalten den Fernsehsendern, sich mit der Industrie darauf zu verständigen, dass Set-Top-Boxen in Zukunft nur noch mit einem Einschub für Entschlüsselungskarten angeboten werden.

Vor einigen Wochen hatten sich Kirch-Gruppe und öffentlich-rechtliche Sender grundsätzlich auf einen Sportrechte-Handel verständigt. Für 25 Spiele der WM 2002 zahlen ARD und ZDF demnach 250 Millionen DM. Zusätzlich erhalten sie eine Option für die WM 2006 in Deutschland, deren Verbindlichkeit noch umstritten ist. Neben den hohen Kosten geriet der Vertrag auch wegen der Verschlüsselung der Programmsignale in die Kritik.

Haushalte, die ihre Fernsehprogramme digital über Satellit empfangen, könnten die Sendungen der derzeitigen Übereinkunft nach nur sehen, wenn ihre Satelliten-Receiver über einen Einschub (common interface) für so genannnte Enschlüsselungsmodule (conditional access module) verfügen. Bislang ist ein Common Interface in den Set-Top-Boxen, die auf Free-TV-Emfpang ausgelegt sind, aber noch selten.

Nach den Worten von Norbert Schneider, dem Vorsitzenden der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalen (DLM) wären diese Haushalte bei einer verschlüsselten Ausstrahlung von Teilen des Programms ausgeschlossen. In einer Erklärung heißt es: "Dieses Dilemma ist nicht den Vertragspartnern ARD/ZDF und Kirchgruppe anzulasten.... Die Interessenlage beider Seiten ist je für sich plausibel. Die Kirch-Gruppe muss aus wirtschaftlichen Gründen das Signal verschlüsseln. Die Free-TV-Veranstalter ARD/ZDF können nicht Teilen ihrer Zuschauerschaft bestimmte Programme de facto vorenthalten."

Daher appelliert Schneider an TV-Sender und Gerätehersteller, sicherzustellen, dass nur noch Boxen in den Handel gelangen, die über ein Common Interface verfügen.

Die Vertragspartner sollten zudem die Nutzer darüber informieren, welche Technik erforderlich sei, um 2002 und 2006 die Fußball-WM zu empfangen. Schließlich mahnte Schneider, die Verschlüsselung dürfe nicht missbraucht werden, um das Programmangebot einzuschränken. Schneiders Auffassung nach wären neue Programmplattformen, angesiedelt zwischen Pay-TV-Angeboten wie Premiere World und Free-TV, eine Möglichkeit, um für mehr Vielfalt zu sorgen. In der Erklärung heißt es: "Eine solche Satellitenplattform könnte den Wettbewerb zwischen Kabel und Satellit fördern, der gerade angesichts der derzeit sich abzeichnenden Konzentration im Bereich Kabel im Interesse des Verbrauchers erhalten bleiben muss."

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