Medienbeteiligungen
Für Filmfonds-Anleger wird die Zeit knapp

Sie sind die heimlichen Helden der Steuersparer - Steuerberater. Ihre Waffe ist nicht der Revolver, sondern ihre Kreativität. Und zum Duell mit geschliffenen Worten fordern sie immer wieder die Sheriffs von der Finanzverwaltung heraus. Wenn sie gewinnen, bleiben den Filmfondsanlegern noch eine Weile die hohen Steuervorteile erhalten.

HB DÜSSELDORF. "Mindestens haltbar bis ....." Auf Joghurt-Bechern und Milch-Tüten steht deutlich sichtbar zu lesen, wann der Inhalt ungenießbar wird. Aus den Prospekten von Filmfonds ist leider nicht so leicht zu ersehen, wann die versprochenen Steuervorteile nicht mehr haltbar sind. Für Fonds, die noch im vergangenen Jahr an den Markt gebracht wurden, läuft eine die Vorteile sichernde Übergangsregelung des Bundesfinanzministeriums am Jahresende aus.

Doch kann ein Anleger glauben, dass ihm tatsächlich die avisierten Verluste zugewiesen werden, wenn das Herausgabedatum des Prospektes mit der Jahreszahl 2002 endet? Normalerweise nicht, denn ohne Prospekt geht eigentlich kein seriöser Fondsanbieter an den Markt. Doch in den mehrseitigen Erläuterungen zum Steuerrecht wollen ihm dann die Fondsanbieter doch wieder weismachen, dass sein Steuervorteil nicht gefährdet ist, weil der Fonds doch unter die Übergangsregelung fällt.

"Weiche Kosten"

Der Steuervorteil besteht darin, dass dem Anleger als Kommanditist (im Falle des Victory-Fonds als stiller Teilhaber) das steuerliche Ergebnis der Fondsgesellschaft zugerechnet wird. Unter Beachtung eines Bündels verschiedener Steuervorschriften ist die Fondsgesellschaft so konstruiert, dass sie als Hersteller eines Films gilt, ohne eine Kamera, ein Studio oder einen Schneideraum zu besitzen. Wenn sie einen Film herstellt, dann schafft sie ein immaterielles Wirtschaftsgut. Die Kosten, die dadurch entstehen, sind sofort abzugsfähige Betriebsausgaben. Und die "weichen Kosten", auch Nebenkosten genannt, werden ebenso behandelt.

Werden dann noch die Spielregeln des Finanzministers bezüglich der Mindestbesteuerung eingehalten - dazu gehört es, die Steuervorteile nicht in den Vordergrund zu stellen -, dann bekommt der Anleger sofort einen Verlust in Höhe seiner Beteiligungssumme zugewiesen. Entweder schmälert dieser Verlust sein zu versteuerndes Einkommen im Nachhinein, oder er kann damit seine Lohsteuerabzüge beziehungsweise Steuervorauszahlungen senken.

Würde ein Fonds nicht unter die Übergangsregelung fallen, dann droht seinen Zeichnern der Verlust der Steuervorteile, wenn ein jüngst bekannt gewordener Entwurf eines Erlasses bindend wird. Von 100 Prozent Verlust würden nur noch zwei Prozent jährlich übrig bleiben.

Trick der Anbieter

Doch wie haben die Anbieter die Kurve bekommen? Mediastream habe am 18. Dezember des vergangenen Jahres ein Prospekt des Fonds "Mediastream III" bei einem Notar hinterlegt, sagt Mediastream-Pressesprecher Axel Pollheim. Außerdem hätten noch vor Jahresschluss einige Personen den Fonds gezeichnet. Dass Vorgehen sei mit dem zuständigen Finanzamt München III abgestimmt worden. Zweifel, ob damit der Forderung nach dem "Beginn des Außenvertriebs" genüge getan ist, wischt Pollheim beiseite: "Sie glauben doch nicht, dass wir als ein Unternehmen, das zum Ergo-Versicherungskonzern gehört, ein Produkt in dieser Größenordnung auf den Markt bringen, das uns letztendlich Probleme bereitet."

Ob eine "verbindliche Auskunft" des Münchner Finanzamtes vorliegt, lässt Pollheim offen. Dagegen gibt Uwe Boll, Initiator der "4. Boll KG", ehrlicherweise zu, dass ihm keine "verbindliche Auskunft" vorliegt. Auch er hat nach eigenen Angaben noch Zeichner im alten Jahr gewonnen und sich zusätzlich von Vertrieben bestätigen lassen, dass sie diesen Fonds verkaufen. Dabei trägt der Prospekt den Veröffentlichungstermin 1.5.2002.

Wirklich sicher, dass die Interpretation des Steuerrechts hält, wären Anleger nur, wenn eine "verbindliche Auskunft" vorliegt. Denn nur an die ist das Finanzamt später gebunden. Selbst wenn sie einem Fonds vorliegt, darf er damit nicht werben. Licht ins Dunkel können die Steuergutachten bringen, die Initiatoren für ihre Fonds bereit halten. "Aus den Steuergutachten geht regelmäßig hervor, ob eine verbindliche Auskunft des für den Fonds zuständigen Betriebsstättenfinanzamtes das steuerliche Konzept des Initiators bestätigt", sagt Antoinette Hiebeler-Hasler, auf Medienfonds spezialiserte Münchner Steuerberaterin. Doch selbst die Aussagekraft der Steuergutachten ist eingeschränkt. Mit Ausnahme der Fragen zum Medienerlass - er regelt die Voraussetzungen für die Herstellereigenschaft eines Fonds - sind die Finanzämter angewiesen, keine "verbindlichen Auskünfte" zu geben, sondern lediglich rechtlich nicht bindende "schriftliche Abstimmungen".

Quintessenz

Der Anleger muss also auf den guten Draht des Fondsanbieters und seines Steuerberaters zum Finanzamt vertrauen. Übrigens lässt sich aus den üblichen Prognoserechnungen in den Prospekten ein Indiz dafür ablesen, dass der Fonds wirklich bereits im vergangenen Jahr breit platziert wurde: Es werden Investitionen im Jahr 2001 unterstellt. Dies trifft z.B. für den Fonds der Geno Asset Finance (GAF) zu.

Der leistet sich wie der Boll-Fonds ein anderes Steuerrisiko: Im Jahr 2003 können laut Prospekt weitere Einlagen eingeworben werden. Vor dem Hintergrund des Erlass-Entwurfs will GAF-Geschäftsführer Bernd Reber den Fonds allerdings am Jahresende schließen. Auch Uwe Boll versichert: "Wir machen den Fonds am 31.12. dicht."

Auch das kann sich für die Anleger nachteilig auswirken. Sollte dann deutlich weniger Geld eingeworben worden sein als kalkuliert, können womöglich weniger Filme produziert werden. Die Risikostreuung nimmt ab. Zudem verteilen sich die fixen Anteile der Nebenkosten auf ein geringeres Investionsvolumen.

Christian Harreiner, Vermögensberater bei der Bethmann-Bank, hat einen Vorschlag, wie Anlegern das Steuerrisiko genommen werden könnte: "Anlegern sollte ein Rücktrittsrecht für den Fall eingeräumt werden, dass Steueränderungen sich nachteilig auf die Rendite des Fonds auswirken."

Bei den Fonds von GAF und Medaistream fällt auf, dass sie mit Fremdkapital arbeiten. GAF-Anleger sollten bedenken, dass die Filmerlöse als Sicherheit verpfändet werden. Anders gesagt: Erst bekommt die Bank Geld, dann der Anleger. Floppen Filme, sieht der Investor womöglich keines. Weil das Fremdkapital das Investitionsvolumen erhöht, steht der Fonds bei den "weichen Kosten" besser da.

Der Mediastream-Fonds lässt die Anleger ihre Anteile fremdfinanzieren. Das Risiko ist in diesem Fall geringer, weil es fixe Lizenzeinnahmen gibt, die zudem durch die Kölner Sparkasse garantiert werden.

Wenn sich der Erlass-Entwurf durchsetzt, gehört die Zukunft der Filmfonds den "Blind Pools"; bei denen wissen Anleger nicht, was sie kaufen. Zu Blind Pools sagt Christian Harreiner von der Bethmann-Bank: "Worin besteht der Unterschied zwischen einem Blind Pool und russischem Roulette? Beim russischen Roulette gibt es wenigstens einen Treffer."

Quelle: Handelsblatt

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