Medienindex am Neuen Markt hat 80 % des Wertes verloren
Analysten erwarten Auslese bei Filmrechtehändlern

Filmrechtehändler können nach der Ansicht von Analysten schon bald auf einen größeren Bedarf der deutschen Fernsehsender an Spielfilmen hoffen. Doch nicht wenige Unternehmen würden bei dem Rennen um Filmverkäufe auf der Strecke bleiben. "Wir werden sehen, dass da noch einige in Schwierigkeiten geraten", sagt Jan Herbst, Medienanalyst bei Sal. Oppenheim.

Reuters MÜNCHEN. Weil Reality-TV-Formate und Quizshows an Popularität verlören, müssten die Sender wieder vermehrt Filme zeigen, heißt es bei den Experten. Bei den Rechtehändlern komme es darauf an, zu welchen Preisen sie ihre Filmpakete eingekauft hätten und wie günstig sie diese daher den Fernsehsendern anbieten könnten. "So arg viele werden nicht übrigbleiben," sagte auch BHF-Bank-Analyst Roland Pfänder.

Ein regelrechter Käuferstreik vor allem der privaten Fernsehsender bereitet den Filmrechtehändlern seit dem vergangenen Jahr große Absatzschwierigkeiten. Besonders betroffen sind nach der Einschätzung der Analysten zum Beispiel die Advanced Medien AG, die in finanzielle Schwierigkeiten geriet und als Übernahmekandidat gilt, oder die Münchener Kinowelt AG, die von ihrem für 560 Mill. DM erworbenen Warner-Filmpaket bisher kaum etwas verkauft hat. Die im MDax notiere VCL Film + Medien AG klagte ebenfalls über die zurückhaltende Einkaufspolitik der Fernsehsender und senkte ihre Umsatzprognosen für 2001. Die Münchener CineMedia AG will sich nach Misserfolgen ganz aus dem Geschäftsbereich Lizenzhandel zurückziehen.

Das blieb auch nicht nicht ohne Folgen für die Aktienkurse. Der Medienindex am Neuen Markt verlor in den letzten zwölf Monaten mehr als 80 % seines Wertes und entwickelte sich damit noch schlechter das das Marktsegment insgesamt. Am Freitagvormittag notierte der Branchenindex mit 0,5 % im Plus bei 20,67 Punkten.

Aufweichung des Käuferstreiks erwartet

Die mangelnde Nachfrage nach Spielfilmen haben die Medienunternehmen zum Teil selbst verschuldet. Denn zu den Boomzeiten der Branche und des Neuen Marktes wuchsen Filmrechtehändler wie Pilze aus dem Boden. In Hollywood buhlten sie um die Lizenzen der Spielfilme mit Starbesetzung und trieben so die Preise in die Höhe, die sie an die TV-Sender weiterzugeben versuchten. "Die haben dann aus der Not eine Tugend gemacht und sich auf Reality Shows wie "Big Brother", Comedy oder Quizshows verlegt - und damit auch noch den Nerv der Zeit getroffen", erläutert Volker Bosse von der HypoVereinsbank.

Inzwischen sinken die Einschaltquoten für Formate wie "Big Brother" dramatisch. "Reality TV hat sich totgelaufen", sagt Herbst. Inzwischen laufen bei den Sendern Spielfilme schon in der dritten Wiederholung. Deshalb rechnen Branchenkenner zumindest mit einer Aufweichung des Käuferstreiks. Allerdings würden die Abnehmer nicht jeden Preis bezahlen. Werbefinanzierte Sender wie ProSieben, Sat.1 oder RTL kämpfen mit einem schwachen Werbemarkt. "Die treten alle auf die Kostenbremse", sagt Pfänder.

Constantin Film gut positioniert

Bei den Preisverhandlungen mit den Rechtehändlern sitzen die TV-Sender nach der Ansicht von Analysten am längeren Hebel. Zum Einen stehen den vier großen Abnehmern auf dem deutschen Fernsehmarkt - die Kirch-Gruppe mit den Sendern ProSieben, Sat.1 und Kabel, die von Bertelsmann kontrollierten RTL-Programme sowie die öffentlich rechtlichen ARD und ZDF - viele Anbieter gegenüber. Am Neuen Markt allein sind rund 20 im Handel mit TV-Programmen tätige Unternehmen notiert. Außerdem könnten es sich manche Lizenzhändler nicht weiter leisten, mit der Vermarktung ihrer meistens vorfinanzierten Filme zu warten. Dazu schneiden sie sich auch die eigenen Nachschubwege ab. "Wenn die US-Studios merken, dass ein Unternehmen seine Filme nicht verkaufen kann, wird es sich weitere Deals sicher überlegen", erläutert Harald Heider, Medienanalyst bei der DG Bank.

Als gut positioniert sehen die Analysten vor allem den Filmproduzent Constantin Film von Erfolgsregisseur Bernd Eichinger. Gute eigene Produkte und die Beteiligung der Kirch-Gruppe mit 21,3 % an Constantin sichere dem Unternehmen einen Absatzmarkt. Weitere Erfolgskandidaten sind den Experten zufolge Senator Entertainment, Highlight Communications oder die Helkon Media AG.

Mittelfristig würden auch die Medienwerte wieder Kursgewinne verbuchen, schätzen die Analysten. Allerdings nicht alle - "Ein Ausleseprozess ist jetzt angesagt", hieß es.

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