Medienindustrie
Kommentar: Zeit der kleinen Schritte

Auf die Größe kommt es an - das war lange das Mantra der internationalen Medienkonzerne. Folglich kauften sie, was das Zeug hielt. Die australische News Corp. investierte 40 Milliarden Dollar in den Kauf von Direct TV, Vivendi gab 1,5 Milliarden für eine Zehn-Prozent-Beteiligung an Echo-Star Satellite aus. Disney kaufte den Fox Family Channel für 5,1 Milliarden Dollar. Und als das Internet sich als aussichtsreicher Vertriebskanal präsentierte, gab es für Medien-Mogule kein Halten mehr.

Synergien waren das Ziel, Konver-genz von alten und neuen Medien das Gebot der Stunde. Der Preis war egal, Hauptsache besitzen. AOL, Vivendi und Bertelsmann glaubten daran, dass das Zusammenführen von Telekom und Kabel, Filmstudios und Internet, Musik und drahtloser Datenübertragung die Gewinne zum Explodieren bringen würde. Und weil nur der als erfolgreich galt, der seine Filme und Musik weltweit vertreiben konnte, schielten US-Medienmanager nach Europa - auf transatlantische Super-Deals, die für die europäischen Pendants Bertelsmann und Vivendi ebenfalls verlockend klangen.

Inzwischen sind die Wörter Synergie und Konvergenz verpönt, statt des fiebrigen Kaufrauschs leiden die Medienkonzerne an den Folgen ihres übermäßigen Appetits. Einstige Zauderer wie News Corp. und Viacom, die für ihr fehlendes Internet-Engagement verlacht wurden, gelten nun als Visionäre. Die Rückkehr zu nüchternem Denken zeigt sich deutlich in den Worten des AOL - Time-Warner-Chefs Richard Parsons, der fordert, dass sich künftig jeder Geschäftsbereich des Konzerns selber trägt. Synergien? Fehlanzeige.

Statt Zukäufe ist das Abstoßen von Geschäftsbereichen bei den unter Druck geratenen Medienkonzernen angesagt. Es gilt als wahrscheinlich, dass einstige Kronjuwelen wie die Universal Studios und die Musikgeschäfte von Universal und Bertelsmann wieder auf dem Verkaufstisch landen. Doch potenzielle Käufer sitzen in der Zwickmühle: Zwar gibt es jetzt günstige Angebote, doch vielen fehlt das Geld für Akquisitionen. Zudem sind die gebeutelten Investoren derzeit nicht bereit, Kaufgelüsten nachzugeben.

Doch die Zeit der Konsolidierung ist damit nicht vorbei. Im Gegenteil: Es ist für Medienkonzerne immer noch lohnend, nicht nur Inhalte, sondern auch die Vertriebskanäle zu besitzen, um Filme und Fernsehshows unters Volk zu bringen. Nur beim Internet waren die Erwartungen zu hoch und die tatsächlichen Vorteile bisher minimal.

Internationale Vertriebsschienen wie die Kabelkanäle von Vivendi und Teile des Kirch-Imperiums sind für US-Unternehmen aber weiter interessant. Schließlich gibt es kaum eine bessere Gelegenheit, sich global günstige strategische Vorteile zu verschaffen. News Corp. hat bereits Bargeldreserven von drei Milliarden Dollar angelegt, bei Viacom summieren sich Bares und kurzfristige Anlagen auf vier Milliarden Dollar. Der Hollywood-Milliardär Haim Saban schielt ebenfalls nach Europa. US-Investor John Malone, der Liberty Media kontrolliert, hat sich bereits beim niederländischen Kabelnetzbetreiber Casema eingekauft. Es gilt als sicher, dass er weitere Akquisitionen in Europa plant.

Ausverkaufsstimmung herrscht dagegen nicht. Im Gegenteil: US-Firmen werden nur noch kaufen, wenn die Akquisition einen strategischen Vorteil bringt und günstig zu haben ist. Die Zeit der kleinen Schritte ist angebrochen.

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