Medienkonzern erwägt Beteiligung an Premiere – Pay-TV als Ergänzung zum Fernsehgeschäft
Keine großen Hürden für Bertelsmann-Einstieg

Medienkontrolleure gehen davon aus, dass eine Beteiligung von Bertelsmann am Bezahlsender Premiere möglich ist. Damit rückt eine "deutsche Lösung" der Kirch-Krise in greifbare Nähe.

DÜSSELDORF. Einem möglichen Einstieg der Bertelsmann AG beim hoch verschuldeten Bezahlfernsehen Premiere stehen keine unüberwindlichen medienrechtlichen Probleme im Weg. Zwar spiele Bertelsmann eine gewichtige Rolle auf dem Medienmarkt, sagt Bernd Malzanini, Geschäftsführer der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Und durch eine Minderheitsbeteiligung würde diese Situation noch verstärkt. Doch aus Kreisen der Medienkontrolleure verlautete, ein Premiere-Einstieg mit Blick auf den Rundfunkstaatsvertrag sei möglich. Selbst bei einer Beteiligung an Premiere blieben die Gütersloher unter dem zulässigen Grenzwert von 30 % der Zuschaueranteile am deutschen TV-Markt.

Norbert Schneider, Vorsitzender des Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), sagte gestern: "Wenn uns ausländische Investoren willkommen sind, sind inländische Investoren erst recht willkommen." Das Bundeskartellamt in Bonn erklärte lapidar, es liege noch keine Anmeldung für den Einstieg bei Premiere vor. Brancheninsider erwarten, dass ein möglicher Einstieg von Bertelsmann im Sinne einer "deutschen Lösung" für die bedrohte Kirch-Gruppe ist.

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann erwägt - wie in einem Teil unserer gestrigen Auflage bereits gemeldet - einen Einstieg in das mit rund 4 Mrd. Euro verschuldeten Pay-TV der Kirch-Gruppe. "Das Bezahlfernsehen ist so eine Art Beiboot", erklärte ein Bertelsmann-Insider gestern. Das Pay-TV werde als komplementäres Fernsehgeschäft gesehen. Bertelsmann-Vorstand Edwald Walgenbach, früher beim Fernsehkonzern RTL-Group, sprach bereits mit Premiere-Chef Georg Kofler über eine mögliche Beteiligung.

Trotz der Verhandlungen erklärte ein Sprecher der RTL-Group: "Wir werden uns weiterhin auf werbefinanziertes Fernsehen in Europa konzentrieren." Bisher ist der TV-Konzern nur mit 5 % am spanischen Bezahlsender Via Digital beteiligt. Didier Bellens, Vorstandschef der RTL Group, geht von einem Potenzial von 2 bis 3 Millionen Pay-TV-Abos in Deutschland aus. Dem Handelsblatt sagte er: "Mit dem Pay-TV ist es wie mit dem Bau eines Golfplatzes. Der erste Investoren geht mit dem Erwerb des Grundstückes und der Schaffung von Infrastruktur Pleite. Der zweite Investor baut ein Clubhaus und wirbt Mitglieder, kommt jedoch ebenfalls in einen finanziellen Engpass. Erst der dritte Finanzier kann schließlich mit dem Golfplatz richtig Geld verdienen." Der von Bertelsmann gegründete Abo-Kanal Premiere kostete den Konzern viel Lehrgeld und wurde 1999 an Leo Kirch verkauft.

Von C. Prössl, P. Schäfer, H.-P. Siebenhaar, Handelsblatt

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