Medienkonzern findet nicht aus der Krise
Keine Lust auf Mickymaus

Die Werbekunden von der TV-Tochter ABC üben sich in Zurückhaltung. Immer weniger Touristen besuchen die Freizeitsparks. Experten erwarten nun Auskünfte darüber wie Disney die Krise meistern will.

HB NEW YORK. Trübe Zeiten für Mickymaus & Co: Ihr Mutterkonzern Disney steckt in Schwierigkeiten - die Liste der internen und externen Probleme ist lang. Beobachter stufen daher das Treffen des Aufsichtsrats am morgigen Dienstag als eines der wichtigsten seit Jahren ein.

Branchenexperten rechnen damit, dass der drittgrößte Medienkonzern der Welt eine Strategie zum Krisenmanagement präsentieren wird. Über Einzelheiten des Plans kann bisher aber nur spekuliert werden: So soll die Sanierung des angeschlagenen Fernsehsenders ABC einen zentralen Platz in der Diskussion einnehmen. Auch eine Verkleinerung des Aufsichtsrats und die Nachfolge von Disney-Chef Michael Eisner, der wegen der schwierigen Firmenlage zunehmend unter Druck gerät, soll auf der Tagesordnung stehen. Analysten wie Medienstratege Paul Kim, von der Investmentbank Kaufman Brothers, bleiben allerdings skeptisch und glauben nicht daran, dass der Disney-CEO vorzeitig aus seinem Vertrag, der erst 2006 endet, aussteigt.

Sanierungsstrategie dringend nötig

Einigkeit herrscht in der Branche dagegen darüber, dass eine Sanierungsstrategie für das Unternehmen dringend nötig ist. Denn: Seit Jahresbeginn hat die Disney-Aktie rund ein Drittel ihres Wertes verloren und rutscht weiter auf den tiefsten Kurs seit Mitte der 90er-Jahre zu. "Disney hat sich im Vergleich zu seiner Konkurrenz zu einer völlig anderen Investitionsstrategie entschieden: kaum Radiosender, die zurzeit gute Geschäfte machen, dafür Freizeitparks - das macht sich im Moment aber nicht bezahlt", sagt Kim. Im Vergleich zu anderen Medienkonzernen ist Disney derzeit schlechter positioniert.

Einer der Gründe dafür ist die Disney-Fernsehtochter ABC. Noch in der Saison 1999/2000 erzielte der Sender die höchsten Quoten in der Branche - unter anderem dank der US-Version der Quizshow "Wer wird Millionär". Doch schon nach kurzer Zeit sank die Beliebtheit der Sendung und mit ihr die Zuschauerzahlen. Analysten kritisieren nun, dass sich ABC zu stark auf den Erfolg der Quizshow verlassen habe.

2001 belegte ABC im Sender-Ranking nur noch den dritten Platz hinter NBC und CBS. Kein Wunder, dass sich die Werbekunden zunehmend in Zurückhaltung üben. So kann ABC in der kommenden Saison die Minutenpreise für seine Fernsehreklame voraussichtlich nur um fünf Prozent erhöhen, während die Konkurrenz doppelt so hohe Aufschläge nimmt. Die Situation des Senders ist so schlecht, dass Disney-Chef Eisner die ABC-Sanierung zur Chefsache erklärte.

Analysten bleiben skeptisch

Dennoch bleiben die Analysten skeptisch: "Die Quoten von ABC waren in diesem Sommer enttäuschend. Dagegen verzeichnete Fox enorme Erfolge", erklärt Analystin Jessica Cohen von Merrill Lynch. Weil die Zuschauerzahlen unter dem garantierten Minimum blieben, musste ABC seinen Werbekunden in der vergangenen Saison sogar kostenlose Reklameminuten abtreten.

Auch die berühmten Disney-Freizeitparks kämpfen mit einem Rückgang der Publikumszahlen. Seit dem 11. September sitzt die Angst vor Terroranschlägen tief, Touristen kommen seltener nach Disneyland und Disney World - ein besonders harter Schlag für das Unternehmen. Schließlich sind die Parks die größte Einkommensquelle des Medienkonzerns und erzielten im vergangenen Jahr rund 40 Prozent der operativen Gewinns.

Doch ein Ende des Besucherschwunds ist nicht abzusehen: So ist Christopher Dixon von UBS Warburg der Meinung, dass ein möglicher Krieg gegen den Irak den Trend verstärken kann. Er senkte sein Kursziel für die Aktie von 18 auf 15 $ - das würde ein Nullwachstum bedeuten.

Quelle: Handelsblatt

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