Medienkonzern fordert 600 Mill. $ Abschlag
Bertelsmann will Preis für Zomba drücken

Der Medienkonzern Bertelsmann AG versucht, den Preis für die bereits vereinbarte Übernahme der Musikfirma Zomba zu drücken. Deren Chef Clive Calder verlangt für seinen Mehrheitsanteil an dem Unternehmen drei Milliarden Dollar, Bertelsmann will aber nach Angaben verhandlungsnaher Kreise nur 2,4 Mrd. $ zahlen.

HB GÜTERSLOH. Bertelsmann muss Zomba auf Grund einer von dem früheren Vorstand getroffenen Vereinbarung zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt übernehmen: Die Popularität der bekanntesten Zomba-Künstler wie beispielsweise Britney Spears sinkt seit einiger Zeit. Zudem befindet sich derzeit die gesamte Musikindustrie in einer Absatzflaute. Deshalb macht der Gütersloher Medienkonzern geltend, der verlangte Übernahmepreis sei um 600 Mill. $ zu hoch.

Der Streit zeigt, dass der neue Bertelsmann-Chef Gunter Thielen in den Verhandlungen mit Calder einen härteren Ton als sein Vorgänger Thomas Middelhoff anschlägt. Middelhoff musste Ende Juli seinen Posten als Vorstandschef von Bertelsmann aufgeben - nur drei Wochen, nachdem seine Verhandlungen mit Calder gescheitert waren. In den Gesprächen wollte Middelhoff Calder davon abbringen, seine Verkaufsoption auszuüben, die Bertelsmann dazu zwingt, Calders Anteil für einen aus heutiger Sicht sehr hohen Preis zu kaufen.

Die von Calder kontrollierte, von den großen Unterhaltungskonzernen bisher unabhängige Zomba Music hat in den vergangenen Jahren mit Teenie-Popstars wie den Backstreet Boys, N-Sync und Britney Spears weltweit Furore gemacht. Sie zählten zu den erfolgreichsten Musikern der Welt.

Die Bertelsmann Music Group (BMG) hält bereits 20 % an Zomba Records (Musikproduktion) und 25 % an Zomba Publishing (Musikverlag). Der Grund warum das Unternehmen jetzt gezwungen sein könnte, den hohen Übernahmepreis dennoch zu zahlen, ist der folgende: Der Preis richtet sich nach den Ergebnissen von Zomba in den Jahren 1999, 2000 und 2001. Das heißt, die Übernahmesumme spiegelt die Performance des Musikunternehmens aus einer Zeit wider, als sein Marktanteil mehr als doppelt so hoch war wie heute.

Für Bertelsmann hängt jetzt viel davon ab, den Preis zu drücken. Der Kauf zu den vereinbarten Konditionen würde die Nettoverschuldung des Konzerns über die Grenze treiben, die sich der Konzern für seine Verschuldung gesteckt hat. Und für Bertelsmann habe der Abbau der Schulden oberste Priorität, betonte Thielen. Deshalb werde er versuchen, sich mit Zomba auf einen akzeptablen Preis zu einigen.

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