Medienkonzern hofft auf Synergien durch Fusion mit Pro Sieben
Kirch Media strebt Aufnahme in den Dax an

Dieter Hahn ist die Genugtuung anzusehen. Fröhlich und gelöst beantwortet der Vizechef der Kirch-Gruppe Fragen und genießt förmlich die Aufregung nach seinem jüngsten Coup. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit im kleinsten Führungskreis wurde das Projekt seit Frühjahr geplant.

HB MÜNCHEN. Aber erst in der vergangenen Woche - kurz vor der offiziellen Bekanntgabe - sickerten die ersten Informationen zur Fusion der beiden Kirch-Konzerne Pro Sieben Sat 1 Media und Kirch Media nach außen.

"Die Medien werden eine Wachstumsbranche bleiben. Und Deutschland ist einer der größten Medienmärkte der Welt", sagte Hahn, designierter Vorstandschef der neuen Kirch Media, gegenüber dem Handelsblatt. Die Strategie der neuen Kirch Media sei nicht auf Expansion in Europa angelegt. Geplant sei vielmehr eine bessere Ausschöpfung der Marktstellung in Deutschland. Kirch Media ist hier der mit Abstand größte Lizenzhändler. Pro Sieben Sat 1 mit den Sender Pro 7, Sat 1, Kabel 1 und N 24 kontrolliert etwa ein Drittel des TV-Marktes.

Zudem sind erhebliche Kosteneinsparungen geplant. Bis spätestens 2003 sollen Synergien von mindestens 100 Mill. DM erreicht werden, kündigte Hahn an. Insbesondere die Kirch Media mit ihren vielen Zwischen- und Untergesellschaften soll gestrafft werden. Mittelfristig werde im Konzern eine Vorsteuer-Rendite von rund 20 % angepeilt, hieß es. Davon ist der Konzern mit etwa 7 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 3,5 Mrd. Euro aber derzeit weit entfernt.

Börse nahm Fusionpläne bisher sehr negativ auf

Die Börse hatte die Fusionspläne bisher extrem negativ aufgenommen. Die Pro Sieben-Aktie verlor fast ein Drittel ihres Wertes. Am Freitag rutschte das Papier sogar zwischenzeitlich unter 8 Euro. Die Skepsis der meisten Analysten ist groß. Sie warnen vor der mangelnden Transparenz der Kirch-Gruppe. Pro-Sieben-Chef Urs Rohner, im zukünftigen Konzern für das TV-Geschäft zuständig, verteidigte die Fusion trotzdem vehement. "Das ist die konsequente Fortführung unserer Strategie", sagte er. Im TV-Geschäft seien die Wachstumschancen zuletzt sehr begrenzt gewesen. Deshalb müsse die Wertschöpfungskette durch die Fusion mit Kirch Media ausgebaut werden.

Der Zeitplan ist eng. Schon im Juni 2002 soll die neue Kirch-Aktie an der Börse starten. Bis dahin müssen die beiden Konzerne zu einer neuen AG verschmolzen werden. Die Zustimmung dafür soll auf einer außerordentlichen Pro-Sieben-Hauptversammlung Anfang 2002 eingeholt werden. Die bisherigen Pro-Sieben-Aktionäre erhalten Kirch-Media-Anteile. Der Axel Springer Verlag (ASV), der bisher gut 11 % an Pro Sieben hält, wird bis dahin aussteigen und von Kirch ausgezahlt, kündigte Hahn an. Alle anderen Gesellschafter, von Mediaset bis Rewe, würden zunächst an Bord bleiben. Auf absehbare Zeit wird Leo Kirch über 50 % an Kirch Media halten. Auch eine Kapitalerhöhung ist zunächst nicht geplant.

Aufnahme in den Dax wird angestrebt

Der neue Konzern werde über eine "substanzielle Börsenkapitalisierung" verfügen, kündigte Hahn an. "Sicherlich streben wir die Aufnahme in den Dax an", meinte der Kirch-Manager. Anfang 2001, als sich Rupert Murdoch mit knapp 2,5 % an Kirch Media beteiligte, wurde der Konzern mit etwa 10 Mrd. Euro taxiert. Pro Sieben Sat 1 ist derzeit noch knapp eine Mrd. Euro wert. Unabhängige Gutachter würden die beiden Konzerne vor der Verschmelzung bewerten, sagt Rohner. "Da wird keiner über den Tisch gezogen", verspricht Hahn.

Begründet wird die schnelle Fusion mit den Veränderungen in der Branche und dem schlechten Marktumfeld, das sich laut Hahn nicht so schnell bessern wird. Sorgen macht auch der Einstieg von US-Investor John Malone und Liberty Media in das deutsche Kabelnetz. "Das ist eine klare Veränderung des Wettbewerbumfelds", sagte Hahn. Deshalb müsse die Pro-Sieben-Gruppe gestärkt werden. Malone hatte zuletzt gesagt, er könne sich eine Beteiligung an der Kirch-Gruppe vorstellen. Kontakt zu Hahn hat er bisher aber nicht aufgenommen.

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