Medienkonzern lässt Frist verstreichen
Springer klagt gegen Kirch

Die Axel-Springer Verlag AG, Berlin, geht mit ihrer Put-Option über 767 Mill. Euro offenbar leer aus. Die im Insolvenzverfahren befindliche Kirch Media GmbH & Co KGaA, Ismaning, will die Frist für die Übernahme des Springer-Anteils an der TV-Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG verstreichen lassen.

hps/lip DÜSSELDORF/HAMBURG. Damit reiht sich Europas größter Zeitungskonzern (Bild, Welt) in die wachsende Zahl der Gläubiger ein: "Unabhängig von den rechtlichen Bedenken bei Springers Put-Option handelt es sich um eine Forderung, die nach den Bestimmungen des Insolvenzrechtes behandelt werden muss", erklärte ein Kirch-Sprecher.

Doch der Springer-Vorstand will sich damit nicht zufrieden geben. "Wir werden auf alle Fälle juristische Schritte einleiten", kündigte eine Verlagssprecherin ein. Wie das Unternehmen aber rechtlich vorgeht, steht noch nicht endgültig fest. Denn der börsennotierte Zeitungsriese kann möglicherweise sowohl eine Leistungs- als auch Schadensersatzklage sowie beide Rechtsmittel gleichzeitig vor Gericht anstrengen. Eine Entscheidung hierüber könnte möglicherweise am Donnerstag fallen.

Bei einer Leistungsklage drängt Springer auf die Erfüllung der Put-Option von 767 Mill. Euro, bei Schadensersatz hingegen auf die Zahlung von 500 Mill. Euro. Dieser Betrag ergibt sich aus der Differenz des Preises für die Put-Option zum tatsächlichen Marktwert des 11,48 prozentigen Aktienpakets an der TV-Senderfamilie Pro Sieben Sat 1, der derzeit offenbar mit rund 230 Mill. Euro angesetzt wird.

Ursprünglich hatte der Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bereits am 30. Januar die Option zum Verkauf der Beteiligung an Kirchs TV-Konzern gezogen und damit die Liquiditätskrise des finanziell angeschlagenen Münchner Medienkonzerns verschärft.

Der Totalausfall der Put-Option stellte aber nach Meinung von Springer kein Problem dar. In der Umgebung von Döpfner hieß es, Springer komme bilanztechnisch sauber aus der Kirch-Geschichte. "Die Put-Option ist nicht in der Bilanz aktiviert. Deshalb haben wir auch keinen Abschreibungsbedarf", erklärte eine Springer-Sprecherin.

Auch ein Analyst, der den Zeitungskonzern gut kennt, erklärte: "Springer hat erstmal kein Problem damit, wenn die Forderung von Kirch nach Ablauf der Frist nicht erfüllt wurde."

Bei einer Platzierung des 40 prozentigen Aktienpaktes von Kirch am Berliner Verlagshaus will die Großaktionärin, Friede Springer, grundsätzlich an der Vinkulierung der Aktien festhalten. Sie soll nur für die Übernahme des Kirch-Anteils durch das Bankenkonsortium aufgehoben werden. Bei einer Veräußerung des Anteils an private Investoren oder über die Börse bleibe hingegen die Vinkulierung weiter bestehen, hieß es in unternehmensnahen Kreisen. Die Kirch-Gruppe hatte die Commerzbank AG, Frankfurt, vor kurzem beauftragt, das Springer-Paket des Münchener Filmhändlers zu platzieren.

Doch eine Vinkulierung der Aktien ist bei einer offenbar geplanten Börsenplatzierung in drei Jahren ein Handicap. "Sie rechtfertigt möglicherweise einen Preisabschlag", erklärt Christian Rupprecht, Aktienanalyst bei der Hamburger Privatbank M.M.Warburg. Denn hierdurch werden die künftigen Anteilseigner zu gläsernen Aktionären. Daran sind vor allem größere institutionelle Investoren oder Fondsgesellschaften nicht interessiert, ergänzt Rupprecht.

Bei Kirch laufen unterdessen die Gespräche über eine Rettung des nach Bertelsmann größten Medienkonzern auf Hochtouren. Offenbar steht eine Insolvenz bei Kirch Pay TV GmbH & Co KGaA, Ismaning, bevor. Ein Insolvenzantrag ist noch nicht das Ende der Gespräche mit Investoren", erklärte ein Kirch-Insider. Premiere - 100 prozentige Tochter der Kirch Pay TV - werde nicht eigenständig Insolvenz beantragen.

Die Taurus-Holding als Dachgesellschaft der Kirch-Gruppe bleibt vorerst von einer Insolvenz verschont, heißt es in Ismaning

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