Medienkonzern meldet Gewinnrückgang vor der Fusion
Schlechtes TV-Geschäft belastet Kirch

Die vor dem Börsengang stehende Kirch Media meldet für die ersten neun Monate 2001 einen Gewinnrückgang. Das flaue TV-Geschäft belastet die Münchener, der Sportrechte- und Filmhandel läuft dagegen gut.

cbu MÜNCHEN. Der Zusammenschluss der Kirch Media und Pro Sieben Sat 1 läuft trotz der schweren Finanzkrise nach Ansicht der Kirch-Gruppe planmäßig. Die Bewertungsgutachten für die Fusion würden im März oder April vorliegen, sagte Kirch-Vize Dieter Hahn dem Handelsblatt. Im Juni ist die Börsennotierung geplant. Wegen der schlechten Geschäftsaussichten senkte zuletzt die Ratingagentur Moody?s die Bonitätsbewertung von "Baa2" auf "Ba1" für die Pro Sieben Sat 1 Media AG. Eine weitere Herunterstufung werde noch geprüft.

Nach Angaben Hahns wird derzeit noch an einer tragfähigen Kapitalstruktur gearbeitet. So soll das Formel 1-Geschäft zwar noch vor dem Börsengang voll in den neuen Konzern integriert werden, um für die Börse attraktiver zu werden. Ein Teil der Verbindlichkeiten für die Formel 1 bleibe aber außerhalb der Kirch Media, berichtete Hahn. Kirch hatte für den Einstieg 1,6 Mrd. $ gezahlt, die in erster Linie mit Darlehen der Bayerischen Landesbank finanziert wurden.

Bereits jetzt, also noch ohne die Formel 1, liegt die Verschuldung der Kirch Media bei 4,67 Mrd. DM, dagegen stehen liquide Mittel von 334 Mill. DM. Die gesamte Kirch-Gruppe steht mit 10 bis 12 Mrd. DM bei den Kreditinstituten in der Kreide. Zuletzt hatte die Dresdner Bank einen Kredit über 900 Mill. DM kurzfristig bis Januar verlängert. Hahn arbeitet derzeit fieberhaft an einer Umschuldung.

Am vergangenen Freitag legte die Kirch Media Zahlen für die ersten drei Quartale vor. "Das sind keine Zahlen, über die man jubeln kann. Aber wir hoffen, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen", kommentierte Hahn. Der Konzern leidet insbesondere unter der Schwäche der Fernsehtochter Pro Sieben Sat 1. Dagegen entwickele sich das Geschäft mit Filmlizenzen nach der Marktbereinigung wieder gut.

In den ersten neun Monaten ist der Konzernumsatz um 7 % auf 4,6 Mrd. DM gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Firmenwerte (Ebita) ging jedoch um 9 % auf 348,4 Mill. DM zurück. Eine Prognose für das Gesamtjahr 2001 wollte Hahn nicht geben. Er verwies auch darauf, dass im letzten Quartal noch Einzelabschreibungen auf das Filmvermögen vorgenommen werden, die das Ergebnis weiter belasten werden.

Die Börse reagierte auf die schlechten Neun-Monatszahlen und düsteren Aussichten negativ. Am letzten Freitag sank die Pro-Sieben-Aktie in Frankfurt um 4 % auf 5,28 Euro. Das 52-Wochen-Hoch lag bei 39,75 Euro.

Hahn rechnet nicht mit Aufschwung im Fernsehmarkt

Für das kommende Jahr rechnet Hahn nicht mit einem Aufschwung im TV-Markt. Dagegen werde sich der Filmlizenz-Handel verbessern, insbesondere weil der Druck auf die Margen nachlässt. Gut laufe auch der Sportrechte-Handel, hier konnte die Marge verbessert werden. Die Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 seien in allen wichtigen Ländern vermarktet worden, teilte der Konzern weiter mit. Der bisherige Gesamterlös liege bei etwa 2,2 Mrd. DM bei einem Kaufpreis von 1,5 Mrd. DM. Für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gibt sich Kirch zuversichtlich. Es seien bereits Rechte für 2,2 Mrd. DM verkauft worden, der Preis lag bei knapp 2,3 Mrd. DM.

Hahn ist zudem optimistisch, dass das Problem mit dem hoch Verschuldeten Bezahl-Fernsehen Premiere World gelöst werden kann. Der Medien-Manager würde gerne mit dem bisherigen Partner Rupert Murdoch weiter arbeiten. Dieser hat aber für Oktober 2002 eine Ausstiegsoption. Deshalb würden Gespräche mit anderen Partnern geführt. "Premiere ist sehr attraktiv für verschiedene Arten von Partnern", ist Hahn überzeugt. Ob Kirch auch die Mehrheit an Premiere abgeben würde, ließ Hahn jedoch offen.

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