Medienkonzern will erstmals Halbjahreszahlen vorlegen
Börsengang der Kirch Media ist umstritten

In der jetzigen Situation komme ein Börsengang der Verschleuderung von Vermögenswerten gleich, heißt es in Finanzkreisen.

cbu MÜNCHEN. Die Börsenpläne der Münchener Kirch-Gruppe stoßen in Finanzkreisen weiter auf Skepsis. "Der Börsengang der Kirch Media macht erst dann Sinn, wenn sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld wieder in normalen Bahnen bewegt", sagte der neue Chef der Bayerischen Landesbank, Werner Schmidt, dem Handelsblatt. Eine schnelle Erholung an den Börsen sei aber nicht zu erwarten. In der jetzigen Situation komme ein Börsengang der Verschleuderung von Vermögenswerten gleich, hieß es. Die Bayern LB ist eine der Kirch-Hausbanken.

Kirch-Vize Dieter Hahn arbeitet derzeit daran, den bereits börsennotierten TV-Konzern Pro Sieben Sat1 Media AG mit der Kirch Media zu verschmelzen. Beide Kirch-Gesellschaften zusammen sollen dann bis spätestens Juni 2002 als ein Unternehmen an der Börse notiert werden und möglichst schnell in den Dax aufsteigen. Eine Kapitalerhöhung zur Zuführung frischer Liquidität sei angesichts der schlechten Börsenlage zunächst jedoch nicht geplant, meinte Hahn zuletzt. Ende 2000 hatte Hahn den für dieses Jahr geplanten Börsengang der Kirch Media wegen der schlechten Börsenlage verschoben.

Analysten: "Börsenstory" fehlt

Analysten hatten jüngst kritisiert, der Kirch-Gruppe würde für einen erfolgreichen Gang an den Aktienmarkt die "Börsenstory" fehlen. Die anhaltende Unsicherheit über die Bewertungsfragen bei der Fusion sorgte für einen dramatischen Kursrutsch der Pro-Sieben-Aktie. Das Papier, das im M-Dax notiert, war in den vergangenen Monaten von fast 40 Euro auf unter 4 Euro gerutscht, hatte sich zuletzt aber wieder erholt. Erst Ende September musste Konzern-Chef Urs Rohner angesichts der Flaute am Werbemarkt und den US-Terroranschlägen eine deutliche Gewinnwarnung abgeben.

Am Montag will Hahn jetzt erstmals Halbjahreszahlen für die Kirch Media präsentieren. Dabei sollen die Ergebnisse auch auf die Bereiche Fernsehen, Lizenzhandel, Sportrecht etc. aufgeschlüsselt werden. Analysten erwarten zudem weitere Informationen zu den Börsenplänen. Bisher war immer die Intransparenz des Medienkonzerns angeprangert worden. "Herr Kirch verkauft doch im wesentlichen an sich selbst", sagte ein Analyst. Im Geschäftsjahr 2000 machte Kirch Media einen Umsatz von 6,5 Mrd. DM, für 2001 sind bis jetzt 7 Mrd. DM angepeilt. Der Konzernjahresüberschuss hatte sich 2000 auf 143 Mill. DM mehr als halbiert.

Die Bayern LB, die zu 50 % in Besitz Bayerns ist, soll zuletzt unter anderem den Einstieg Kirchs in die Formel Eins mitfinanziert haben. Kirch zahlte dafür an die angeschlagenen EM.TV etwa eine Mrd. $. Derzeit verhandelt Kirch über weitere Formel-1-Anteile. Zuletzt hatte das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen die Kirch-Kredite bei den Banken vor dem Hintergrund der Probleme am Medienmarkt prüfen lassen. "Der Vorgang einer Anfrage bei Einzelengagements ist eine Normalität", sagte Bayern-LB-Chef Schmidt dazu.

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