Medienkonzern will Kerngeschäft von Canal Plus behalten
Fourtou bereitet Umbau von Vivendi Universal vor

Erste Umrisse zeichnen sich ab bei der Restrukturierung des französischen Mischkonzerns Vivendi Universal S.A. Der neue Konzernchef Jean-René Fourtou will das Kerngeschäft der Pay-TV- und Spielfilm-Sparte Canal Plus behalten und nur das defizitäre Auslands- und Filmgeschäft verkaufen. Dies berichtet die Pariser Tageszeitung "Le Figaro". Damit bereitet Fourtou nach Ansicht von Analysten die Schaffung einer Holding vor.

HB/cn PARIS. Heute will Fourtou seinen Plan dem Canal-Plus-Vorstand und dem französischen Rundfunkrat CSA vorstellen. Weder Vivendi noch Canal Plus wollten den Bericht kommentieren. Die Vivendi-Aktie verlor in Paris bis zum Nachmittag gut 1% auf 17,20 Euro.

Behalten will Fourtou laut "Figaro" das inländische Bezahl-Fernsehen von Canal Plus, den Satellitensender Canal Satellite und die Spartensender von Multithématiques. Verkaufen will der Konzernchef dagegen die defizitären Pay-TV-Auslandsaktivitäten in Belgien, Spanien und Polen, das Filmgeschäft von Studio Canal, den Dekoderentwickler Canal Plus Technologies, Canal Numedia, den 39%-Anteil an der Kinokette UGC sowie die Anteile am Sportrechtevermarkter Sportfive, einem Joint Venture mit der Bertelsmann-Tochter RTL Group. An den spanischen und polnischen Pay-TV-Beteiligungen sowie an Canal Plus Technologies soll der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch interessiert sein.

Bisher hatte Fourtou versucht, Canal Plus, dessen Gesamtwert auf 6 Milliarden bis 10 Milliarden Euro geschätzt wird, komplett zu verkaufen. Fourtous Anfang Juli entlassener Vorgänger Jean-Marie Messier hinterließ Vivendi einen Schuldenberg von 19 Milliarden Euro, den der neue Chef bis Ende des Jahres auf 15 Milliarden Euro reduzieren will. Mit europaweit 16 Millionen Abonnenten gilt Canal Plus als Perle im Vivendi-Portfolio.

"Canal Plus ist ein eminent politisches Problem, das Fourtou durch einen Teilverkauf geschickt lösen würde", lobte ein Pariser Händler. Als Fourtous Absicht bekannt wurde, Canal Plus komplett zu verkaufen, bestand Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac darauf, die Gruppe müsse in französischer Hand bleiben. Canal Plus finanziert einen Großteil der französischen Spielfilmproduktionen. Französische Interessenten wie die TV-Sender TF1 und M6 sowie die Largardère-Gruppe hätten wegen kartellrechtlicher Beschränkungen Canal Plus nur gemeinsam als Konsortium übernehmen können.

Nun will Fourtou das 51 % des Canal-Plus-Kerngeschäfts im Herbst als neue Gesellschaft an die Börse bringen und hofft auf einen Erlös von 2 Milliarden Euro. Gesonderte Börsengänge könnte Fourtou auch für die Verlagssparte Vivendi Universal Publishing sowie Universal Music anpeilen, erwarten die Analysten des Brokerhauses Aurel Leven. Damit würde Fourtou Vivendi in eine Holding umwandeln. "Eine solche Lösung ist sinnvoll", heißt es bei Aurel Leven. "Fourtou kann Filetstücke wie das Musikgeschäft behalten, gleichzeitig aber die Verschuldung der Holding reduzieren." Angesichts der Börsenbaisse ist Fourtous Strategie aber auch "nicht ohne Risiko", warnen die Analysten der Bank BNP Paribas. 

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%