Medienkonzerne leiden unter Folgen der Terroranschläge
Harte Zeiten für AOL Time Warner

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner senkt seine Gewinnprognosen. Doch dank seiner hohen Unabhängigkeit von Werbeeinnahmen steht er immer noch besser da als die Mehrzahl seiner Konkurrenten.

kk NEW YORK. Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner, New York, hat seine Erwartungen für Umsatz und Gewinn für dieses Jahr gesenkt. Das Unternehmen macht dafür vor allem die Terroranschläge und deren verheerenden Folgen für die Werbeeinnahmen verantwortlich. Der Umsatz werde voraussichtlich nur noch um 5 % bis 7 % steigen. Im Juli hieß es noch, der Umsatz werde um 10,5 % von 36,2 Mrd. $ auf 40 Mrd. $ steigen. Das Ergebnis soll statt um 30 % nur noch um 20 % auf 10,1 Mrd.$ steigen.

Nach den Anschlägen in New York und Washington häufen sich die Ergebniswarnungen der US-Unternehmen. Die Medienkonzerne gehören eindeutig zu den Verlierern. Aus Angst, angesichts der Katastrophe unangebrachte Anzeigen oder Werbespots zu schalten, oder ohnehin keine Verbraucher zu finden, denen nach Geldausgeben zumute ist, fahren viele Unternehmen ihre Kampagnen zurück. Außerdem spart das in Zeiten der schwachen Konjunktur auch erhebliche Kosten.

Vor AOL Time Warner haben bereits andere Medienunternehmen vor schlechten Ergebnissen gewarnt. Zeitungen wie New York Times und Dow Jones & Co Inc., die Muttergesellschaft des Wall Street Journals, haben bereits angekündigt, dass sie mit extrem schwachen Anzeigenverkäufen rechnen. Und auch die elektronische Medien sehen pessimistisch in die nahe Zukunft. Neben USA Networks Inc. hat auch der Unterhaltungskonzern Viacom, zu dem unter anderem die Fernsehsender CBS, MTV und Nickelodeon und die Paramount Filmstudios gehören, seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr nach unten korrigiert.

Neben den wegbrechenden Werbeeinnahmen kratzt bei den Fernsehsendern auch die kostspielige, in den ersten Tagen meist werbefreie, 24-Stunden-Berichterstattung über die Katastrophe an den Gewinnen.

"Wegen der unvorhergesehen jüngsten Ereignisse erwarten wir nun, das das Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) für das Jahr 2001 etwas höher als im vergangenen Jahr liegen wird", sagte Viacom-Präsident und COO Mel Karmazin vergangene Woche. Zuvor war er von zweistelligem Zuwachsraten ausgegangen.

Karmazin sagte, Viacom hätte unter anderem darunter gelitten, dass die Spiele der National Football League in der vergangenen Woche gestrichen wurden. Und auch der Musikpreis Latin Grammy Award wurde gestrichen. Der Showpreis Emmy Award ist ebenfalls zunächst einmal vertagt worden.

Mediensektor abschreiben

"Den Mediensektor kann man für das Jahr 2001 abschreiben", urteilt denn auch UBS Warburg Analyst Chris Dixon. Es gebe viel Unsicherheit über die Reaktion der Regierung und was das für die Bereitschaft der Unternehmen für Werbung Geld auszugeben und Verbrauchervertauen bedeute, sagt Dixon.

AOL Time Warner galt bisher als recht sicherer Kandidat, da der Konzern weniger als Konkurrenten wie Viacom oder Disney von Werbeeinnahmen abhängig ist. Werbung macht bei dem Unternehmen, das aus der Übernahme von Time Warner durch America Online entstanden ist, nur 24 % des Umsatzes aus. Unter den börsennotierten Medienunternehmen ist dieser Anteil nur bei dem französischen Konzern Vivendi Universal noch niedriger.

Der Vorstandsvorsitzende von AOL Time Warner Gerald Levin hat die Zukunft seines Konzerns vor drei Monaten in einem Interview mit einem Wort beschrieben: "Abonnements". Denn diese Einnahmen bleiben relativ konstant. Kabelkunden oder Kunden des AOL-Internetzugangsdienstes geben ihre Abos nicht so schnell auf nach einer Katastrophe wie der vor zwei Wochen. Im Gegenteil: Sie verbringen wahrscheinlich noch mehr Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer.

Doch Abos machen eben auch bei AOL Time Warner nicht das Gesamtgeschäft aus, und so wird das Ergebnis (Ebitda) halt statt um 30 % nur noch um 20% auf 10,1 Mrd. $ steigen. Analysten bewerten den Medienkonzern dennoch positiv. "Ein bisschen vom Lack ist ab, aber 20 % Wachstum sollte man nicht verachten", kommentiert Phil Leigh vom Investmenthaus Raymond James. Die Aktie von AOL verlor zum Börsenbeginn in New York nur leicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%