Medienkrise zieht Kreise
Deutsche Presse-Agentur überprüft Geschäftsmodell

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) sieht sich wegen der anhaltenden Medienkrise zu tief greifenden Veränderungen ihres Geschäftsmodells gezwungen. Die Geschäftsleitung von Deutschlands größter Nachrichtenagentur machte am Donnerstag in Hamburg deutlich, dass sie Forderungen der an ihr beteiligten Zeitungsverlage nach niedrigeren Preisen allein durch Kostensenkungen nicht auffangen könne.

Reuters HAMBURG. "Deshalb steht das Geschäftsmodell der dpa auf dem Prüfstand", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Walter Richtberg. Dies schließe die Überarbeitung der Preisstruktur ein. Eine außerordentliche Gesellschafterversammlung solle in einigen Monaten über noch zu erarbeitende Vorschläge einer Strategiekommission entscheiden.

Die dpa gehört rund 200 deutschen Verlagen, Verlegern und Rundfunkgesellschaften, die derzeit mit einem Einbruch der Anzeigeneinnahmen zu kämpfen haben und daher ihre Kosten senken müssen. Vor allem kleinere Zeitungen kritisieren seit längerem, dass sie den umfangreichen dpa-Basisdienst zu hohen Preisen abnehmen müssen und es keine maßgeschneiderten, preiswerteren Angebote gibt. Rund ein Dutzend Regionalzeitungen, darunter die "Passauer Neue Presse" und die "Westdeutsche Allgemeine", hatten angekündigt, für einen Tag auf die dpa-Dienste zu verzichten, um gegen die Preispolitik der Nachrichtenagentur zu protestieren.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte die Protestaktion der Zeitungen als "taktischen Klamauk". DJV-Bundesvorsitzender Rolf Lautenbach erklärte: "Es kann nicht angehen, dass die Zeitungsverleger durch diese Maßnahmen ihre Verantwortung als Gesellschafter der Deutschen Presse-Agentur wegdrücken." Leidtragende seien die Journalisten.

Richtberg sagte zu den Forderungen der Verlage: "Wenn es heißt, ihr müsst Euch am Markt bewegen, dann müssen wir uns auch am Markt bewegen können. Wir können nicht als billiger Jakob überleben." Er wies insbesondere darauf hin, dass die dpa in ihren Landesdiensten ein "dickes Minus" schreibe und führte dies auf die lineare Preisstruktur zurück. Das heißt, die Landesdienste werden überall zu gleichen Preisen angeboten, obwohl der journalistische Aufwand vor allem in Randregionen oftmals größer ist. "Das muss man hinterfragen", sagte Richtberg. Er schloss nicht aus, dass die bisherige Koppelung von Landesdienst und bundesweit vertriebenem Basisdienst im Verkauf getrennt werden könnte.

Mit der Belegschaft vereinbarte dpa im Rahmen ihres Haustarifvertrags, auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2004 zu verzichten. Im Gegenzug gibt es für die Beschäftigten bis Ende November 2004 keine Tarifsteigerung. Die für Zeitungsredakteure vereinbarte Gehaltserhöhung um 2,1 % wird erst am 1. Dezember 2004 übernommen. Zudem soll die Zahl der Arbeitsplätze von knapp 900 Ende 2002 durch das Ausnutzen der natürlichen Fluktuation weiter schrumpfen.

Richtberg sagte, die auf der Gesellschafterversammlung am Mittwoch vorgestellten Maßnahmen und Überlegungen seien von den Anteilseignern "erstaunlich positiv" aufgenommen worden. Eine Strategiekommission solle in den kommenden Monaten Vorschläge für das Geschäftsmodell erarbeiten. "Hier muss gründlich und schnell gearbeitet werden." Auch dpa-Aufsichtsratschef Karlheinz Röthemeier sah einen gewissen Zeitdruck: "Wir haben nicht sehr viel Zeit, das wissen wir auch", sagte er.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die dpa einen Gewinnrückgang auf 2,2 (Vorjahr: 2,8) Mill. ? und erwartet für 2003 ein ausgeglichenes Ergebnis. Wegen der Laufzeit ihrer Verträge werde die Agentur mit Verzögerung von der Medienkrise getroffen. "2004 wird es deutlich schlechter. Da wird es kritisch", sagte Richtberg.

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