Medienmogul will möglichst preiswert ins deutsche Bezahlfernsehen einsteigen
Analyse: Poker mit Murdoch

Kirch-Pay-TV ist pleite. Nur wenige Wochen nach Kirch Media hat auch die zweite Tochter der Taurus Holding Insolvenz angemeldet. Der hochdefizitäre Bezahlsender Premiere soll jedoch erst einmal weiterlaufen.

 

Totgesagte leben länger. Premiere galt als heißester Kandidat bei den Spekulationen, welche Gesellschaft als nächste den Insolvenzrichter aufsuchen werde - neben der Kirch Beteiligungs GmbH und der Taurus Holding selbst. Die Kirch Beteiligungs GmbH wird sicherlich keinen Insolvenzantrag stellen, solange die Verhandlungen über die Übernahme ihrer Anteile am Springer-Verlag andauern. Denn das würde ebenso wenig in das Sanierungskonzept der Kirch-Gruppe passen wie ein Insolvenzantrag Premieres. Wenn Verhandlungen mit möglichen Investoren scheitern, so die bisherige Strategie, stellt erst einmal die Dachgesellschaft, die die Beteiligungen hält, den Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit. Damit wird Gläubigern und Investoren signalisiert, dass die Zeit knapp wird: Wer ein Insolvenzverfahren der Mütter mit einer Finanzspritze verhindern und damit die Töchter retten will, hat jetzt die letzte Chance. Die Tochtergesellschaften sollen jedoch erst einmal weiterlaufen. So war es bei Kirch Media, und so ist es jetzt bei Kirch-Pay-TV. Dass auch einige Ableger der Pay-TV-Sparte Insolvenz anmeldeten, hat einen einfachen Grund: Sie sind überschuldet, also ist ein Insolvenzantrag unvermeidlich.

Es ist ein großes Pokerspiel. Mit am Tisch sitzt der potenzielle Investor Rupert Murdoch, der gekonnt blufft: Ihm sei der Widerstand in der deutschen Öffentlichkeit gegen seine Person bewusst, ließ er kürzlich wissen. Das ist pure Augenwischerei: Sein Image als knallharter Geschäftsmann, der sich um die Sorgen über Medienkonzentration und Qualitätsverlust nicht kümmert und beim Ausbau seines Imperiums keine Rücksicht kennt, war dem Medienmogul schon immer herzlich egal. Murdoch zögert und blufft, weil er rechnen muss: Sein Hauptinteresse ist der - möglichst preiswerte - Einstieg in das deutsche Bezahlfernsehen. Denn die Verkaufsoption über seine Premiere-Anteile gegenüber der Taurus-Holding in Höhe von 1,7 Milliarden Euro ist praktisch wertlos. Murdoch wird nicht mehr damit rechnen, sie realisieren zu können. Sonst müsste er ernsthaft über eine Investition bei Kirch Media und Kirch-Pay-TV nachdenken, damit es dort nicht zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommt: Denn dann würden deren Außenstände gegenüber der Taurus-Holding eingefordert werden, und es wäre gar nichts mehr zu holen.

Eine Investition bei Kirch Media könnte zudem schon wegen des ungewissen Ausgangs der 767-Millionen-Klage des Springer-Verlags eine Milchmädchenrechnung sein. Und eine Finanzspritze bei Kirch-Pay-TV könnte wiederum Murdochs Chancen auf einen Einstieg bei Premiere mindern. Denn sie gäbe Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler Zeit, nach anderen Investoren zu suchen. Der wittert bereits Morgenluft: Er will Arbeitsplätze abbauen und Premiere mit Hilfe der Banken restrukturieren.

Murdoch kann kein Interesse daran haben, einen Insolvenzantrag Premieres zu verhindern. Denn nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens müsste er weder Altverbindlichkeiten noch Steuerschulden übernehmen, wenn er bei Premiere einstiege. Die 2,4 Millionen Abonnenten, deren Gebühren dagegen nur Peanuts sind - sie konnten den Sender noch nie finanzieren -, sind nicht das entscheidende Asset von Premiere. Murdoch wird es verschmerzen können, wenn einige von ihnen jetzt abspringen. Interessant ist für Murdoch vor allem die Genehmigung der Landesmedienanstalten, die nach dem Rundfunkstaatsvertrag für die Zulassung privater Rundfunkveranstalter zuständig sind. Nur mit ihrem Plazet - das Premiere hat - kann der Medienzar seinen Fuß in den deutschen Pay-TV-Markt setzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%