Medienriese entsteht
Pro-Sieben-Aktionäre und Sat.1-Gesellschafter stimmen Fusion zu

Größer und erfolgreicher als RTL soll die neue Senderfamilie werden. Pro-Sieben-Chef Rohner verspricht den Aktionären eine zweistellige Umsatzrendite. >> Kommentar: Neue Einheitlichkeit im Fernsehen

Reuters MÜNCHEN. Die Fusion der Pro Sieben Media AG und der Sat.1 GmbH zum größten deutschen Fernseh-Unternehmen ist nun perfekt. Nach den Aktionären der Pro Sieben AG hat auch die außerordentliche Gesellschafterversammlung der Sat.1 Holding GmbH der Fusion mit der Pro Sieben AG zugestimmt.



RTL den Kampf angesagt



Die Entscheidung zu der Verschmelzung sei im Anschluss an die Pro-Sieben-Hauptversammlung einstimmig gefallen, teilten die beiden Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Dienstag in München mit. Gesellschafter an SAT.1 sind die Axel Springer Verlag AG (21 %), die von Springer kontrollierte Aktuell Presse-Fernsehen (20 %) und die Kirch Gruppe (59 %). Die Senderfamilie aus Pro-Sieben, Sat.1, Kabel 1 und dem Nachrichtensender N24 soll den Konkurrenten RTL überflügeln.

(>>Tabelle: Zuschaueranteile 2000)

Großes Wachstumspotential



In dem hart umkämpften deutschen Fernsehmarkt habe Sat.1 im Vergleich zu Pro-Sieben und RTL mit Abstand das größte Wachstumspotenzial, sagte Pro-Sieben-Chef Urs Rohner vor den Anteilseignern. Er sei sicher, dass Sat.1 mittelfristig deutlich zweistellige Umsatzrenditen erzielen werde.



Vorzugsaktionäre stimmten mit 99,4 % zu



Wie erwartet einstimmig fiel das Votum der Stammaktiäre von Pro-Sieben, Kirch-Media und Rewe aus. Kirch-Media hält 58,4 % der nicht börsennotierten Stammaktien, Rewe die restlichen 41,6 %. Die anwesenden Besitzer der im MDax notierten Vorzugsaktien stimmten der Verschmelzung mit 99,4 % zu. Nun müssen noch die Gesellschafter von Sat.1, die Kirch-Gruppe und Axel Springer, die sich ebenfalls am Dienstag in Berlin treffen, die Fusion genehmigen.



Medienriese mit 4 Mrd. DM Umsatz



Durch die Verschmelzung entsteht ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 4 Mrd. DM und einem Vorsteuergewinn von 400 Mill. DM. Die neue "Pro Sieben SAT.1 Media AG" hat nach eigenen Angaben einen Anteil am deutschen Fernsehmarkt von 24 %. Bei der Fusion ist Sat.1 jedoch der klare Juniorpartner, der mit 3,149 Mrd. DM gut ein Drittel des Unternehmenswertes von Pro Sieben (8,091 Mrd. DM) erreicht.



Sat1 soll Ertragskraft steigern



Rohner gab sich allerdings zuversichtlich, dass Sat.1 an die Erfolge des Fusionspartners anknüpfen kann. "Als eigentlicher 'Spätzünder' wird Sat.1 seine Ertragskraft erst in den kommenden Jahren so richtig entfalten", sagte er. Im ersten Halbjahr 2000 habe das Ergebniswachstum des Sat.1-Konzerns über der Prognose des Senders gelegen, der im Gesamtjahr mit einer Steigerung des Gewinns vor Steuern von über 10 % (1999: 48 Millionen DM) rechnet. Der Sender Sat.1, der mehr als 97 % des Umsatzes des Gesamtkonzerns ausmacht, habe seine Erlöse im ersten Halbjahr um 8 %auf 963 Mill. DM gesteigert, sagte Rohner. Das Ergebnis vor Steuern sei auf 34 Mill. DM von 1 Mill. im Vorjahreshalbjahr gewachsen. Damit beläuft sich die Umsatzrendite vor Steuern auf 3,5 %. Der Sender Pro Sieben hatte im ersten Halbjahr 2000 Umsatzrendite von knapp 24 % erzielt. Pro Sieben wies für das erste Halbjahr 2000 ein Umsatzzuwachs von 5 % auf 569,8 Mill. Euro und eine Steigerung des Konzernüberschusses von 9 % auf 54,1 Millionen Euro aus.



Aktionärsvertreter skeptisch



Aktionärsvertreter gaben sich auf der Hauptversammlung skeptisch, ob sich die Rentabilität von Sat.1 sehr schnell verbessern lasse. Das bedürfe schon einer "erheblichen Kraftanstrengung", sagte Karin Messerer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.



Rohner sagte jedoch, er sei "absolut überzeugt", dass Sat.1 mittelfristig deutlich zweistellige Umsatzrenditen erwirtschaften werde. Der Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg von Sat.1 sei auf alle Fälle der Konkurrenzsender RTL, der mit einem ähnlichen Programmangebot eine Umsatzrendite von 16 % aufweise. Sat.1 und Pro Sieben sähen sich als Wunschpartner, warb Rohner vor den Aktionären für die Fusion. Für sie gebe es keine strategische Alternative. Mit den Sendern Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und dem Nachrichtensender N24 vergrößere man das Marktgewicht substanziell. Die Programmressourcen könnten effizienter eingesetzt werden.



So werde N24, das seinen Unternehmenssitz voraussichtlich von München nach Berlin verlegen wird, alle Sender mit Nachrichten beliefern. Insgesamt rechnet Rohner mit Synergieeffekten von rund 200 Mill. Euro, die bis Ende 2003 realisiert werden sollen. "Das ist realistisch, aber eher konservativ geschätzt", fügte er hinzu. Dem stünden einmalige Kosten von bis zu rund 100 Mill. DM gegenüber.



Das neue Unternehmen werde mit den Sparten Fernsehen, Multimedia, Merchandising und Dienstleistungen dieselben Geschäftsfelder wie die Pro Sieben Media AG besetzen, erläuterte Rohner.



Als Hauptkonkurrent sieht er die Sender RTL, RTL II, Super-RTL und Vox, die sich in den letzten Monaten zu einem schlagkräftigen Senderverbund formiert hätten, "der unsere Marktposition in Zukunft ernsthaft tangieren kann". Im Computerhandel verzeichneten die Pro-Sieben-Vorzugsaktien am Dienstag leichte Kursgewinne. Bis zum frühen Nachmittag legten die Titel um rund 0,7 % auf 170,20 Euro zu, nachdem sie schon am Vortag nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen leichte Kursgewinne hatten verbuchen können. Der Pro-Sieben-Kurs hatte schon während der 7 Monate langen Fusionsgespräche kräftig angezogen und sich gegenüber dem Jahresbeginn fast verdreifacht.

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