Medientitel am Neuen Markt bleiben unter Druck
EM.TV-Aktie setzt den Sturzflug fort

Die Aktienkurse der meisten am Neuen Markt gelisteten Film-Lizenzhändler gingen auch am Dienstag wieder deutlich nach unten. Nach der schweren Krise bei EM.TV ist die Euphorie endgültig verflogen. Jetzt geht die Angst um. Experten erwarten eine Konsolidierunsgwelle in der Branche.

MÜNCHEN. Die Aktie der EM.TV & Merchandising AG findet auch nach dem am Montag verkündeten Einstieg der Kirch-Gruppe keinen Boden. Gestern gab das Papier in der Spitze um mehr als 20 % nach, bevor sich die Verluste reduzierten. Das Vertrauen in EM.TV sei endgültig verloren, heißt es an der Börse.

Der Sturzflug von EM.TV zieht eine Vielzahl anderer Medientitel am Neuen Markt mit in die Tiefe. Insbesondere die Aktien der Film-Lizenzhändler erreichen immer neue Tiefststände. Intertainment beispielsweise verlor am Dienstag rund 15 % auf etwa 10 Euro, der Höchstkurs hatte mal bei über 130 Euro gelegen. Auch Constantin Film (minus 10 %), TV Loonland (minus 15 %) und Helkon Media (minus 5 %) waren auf der Verliererseite.

2001 im Zeichen der Konsolidierung

"Das nächste Jahr wird im Zeichen einer Konsolidierung stehen", meint dazu Daniel Brickwell. Der Medienanalyst bei ABN Amro geht davon aus, dass sich einige der kleineren Anbieter zusammen tun werden.

Als "Konsolidierer", also als Aufkäufer, kommen nach Ansicht von Experten neben den großen Medienkonzernen wie Bertelsmann oder Kirch auch die in Frage, die noch über Kapital aus dem Börsengang verfügten, hieß es. Ein anderer Analyst erwartet sogar, dass die krisengeschüttelten Firmen schon bald Gespräche aufnehmen werden.

"Silly Money" für schlechte Filme

Die Filmrechte-Händler aus Deutschland hätten sich, insbesondere in Hollywood, gegenseitig die Preise kaputt gemacht, sagt Florian Leinauer von Helaba Trust. Für mittelmäßige oder schlechte Filme seien "horrende Preise" gezahlt worden, so Leinauer. In den USA ist vom "silly money", vom dummen Geld aus Deutschland, die Rede, mit dem die Börsenneulinge munter auf Einkaufstour gegangen sind. Viele Filme seien zu teuer eingekauft worden, kritisieren jetzt Analysten.

Auf der anderen Seite haben sich im deutschen Fernsehmarkt inzwischen zwei Gruppen formiert: Die Kirch-Gruppe (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1) und die RTL-Group (RTL, RTL 2, Vox). Die Macht der Nachfrager von Filmlizenzen ist dadurch spürbar gestiegen. Zudem setzen die großen Sender derzeit auf billig produzierte Shows ("Big Brother") und Ratespiele. Der Verkauf von Filmlizenzen ist in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. Wo kein Käufer ist auch kein Preis.

Einige Unternehmen mußten deshalb ihre Prognosen zum Teil drastisch zurück nehmen und wurden prompt mit deutlichen Kursverlusten bestraft. So revidierte etwa Intertainment die Ziele nach unten, beim Umsatz von 290 auf 170 Mill. DM, beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 84 auf 60 Mill. DM. Advanced Medien korrigierte die Planung beim Umsatz von 129 auf 70 Mill. DM. Auch Helkon Media ist zuletzt stark gefallen. Hier belastet zusätzliche der tragische Unfall, bei dem der strategische Kopf und Gründer des Unternehmens, Werner Koenig, ums Leben kam.

Die Kinowelt Medien sieht dagegen keinen Anlass, die Planung zu revidieren. Die Kinowelt-Aktie legte am Dienstag sogar gegen den Trend zu, musste in den vergangenen Monaten aber auch deutliche Verluste hinnehmen. Kinowelt-Vorstand Michael Kölmel hatte 1999 für 560 Mill. DM ein Filmpaket von Warner Brothers gekauft. Die Kirch-Gruppe wirft ihm seitdem vor, die Preise zu verderben. Kirch und Bertelsmann boykottieren zurzeit Kinowelt in seltener Eintracht.

Auch der Kurs von TV Loonland, wie EM.TV auf Kinder- und Jugendprogramme spezialisiert, leidet schon seit Wochen. "Wir haben nicht die Probleme von EM.TV. Unsere Akquisitionen waren sehr überlegt und nicht in dieser Dimension", sagte Loonland-Chef und-Großaktionär Peter Völkle am Dienstag dem Handelsblatt. Zudem sei das Unternehmen weltweit aktiv. "Wir sind sehr froh, das wir uns früh international ausgerichtet haben", meinte Völkle. Zuletzt wurden Zukäufe in den USA, Südamerika und Großbritannien getätigt. Für 2000 wurden die Prognosen sogar angehoben.

Trotz Krise gibt es Medien-Favoriten

Die Analysten haben in der momentanen Krise aber auch Favoriten unter den Medienwerten. Neben IM Internationalmedia wird dabei immer wieder Constantin Film genannt. Zwar ist auch die Constantin-Aktie seit Monaten auf Talfahrt und streifte am Dienstag erstmals die wichtige Marke von 20 Euro. Doch die Analysten loben fast unisono die Solidität des Unternehmens. Zudem produziere Constantin-Chef und-Großaktionär Bernd Eichinger selbst Filme und handele nicht nur mit Rechten, heißt es. Für Unsicherheit sorgte zuletzt aber auch hier die EM.TV-Krise, sind EM.TV (16,5 %) und die Kirch-Gruppe (24,2 %) doch beide Aktionäre bei Constantin. Die Anteile seien mit denen von Eichinger gepoolt, so Constantin-Vorstand Thomas Friedl, ein separater Verkauf nicht möglich.

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