Medienunternehmen müssen neben Phantasie vor allem Gewinn produzieren
Analyse: Das Traumbusiness ist aufgeschreckt

Medienunternehmen haben an der Börse derzeit keinen leichten Stand. Skandale haben das gesamte Segment in Mitleidenschaft gezogen. Nur wenige Firmen konnten sich dem Abwärtssog entziehen. Viele Probleme sind struktureller Natur.

Mit ihren Jahreszahlen haben viele börsennotierte Medienunternehmen Anlegern keine Freude bereitet. Und das Management einiger Firmen hat nicht nur schlecht, sondern auch in die eigene Tasche gewirtschaftet. Anleger wähnten sich nicht selten in einem schlechten Film.
Thomas Haffa, Chef bei EM-TV gilt mittlerweile gar als Synonym für die Probleme am Neuen Markt. Auf die jüngsten Geschäftszahlen warten die Anleger noch heute.
Intertainment macht von sich reden, weil ein Rechtsstreit das Ergebnis belastet und Vorstandschef Rüdiger Baeres von Skrupeln frei schnell noch Kasse machte. Sunburst zeigte sich zunächst phantasievoll bei der Interpretation der eigenen Geschäftszahlen; erst beim Kassensturz wurden aus Gewinnen plötzlich Verluste. Immerhin zählt der neue Mann an der Spitze zu den Hauptopfern. Auch er hatte den Gewinnversprechungen vertraut.

Andere Firmen legten hingegen gute Zahlen vor, unter ihnen beispielsweise "TV-Total"-Produzent Brainpool. Auch Das Werk, Spezialist für Filmbearbeitung, glänzte mit einem herausragenden Ergebnis, und selbst von den Hinterbänklern wie Odeon, das bei öffentlich-rechtlichen Krimiproduktionen führend ist, kamen in den vergangenen Wochen gute Zahlen.

Die Stimmung bleibt schlecht

Viele Unternehmen versichern, sie seien in Kollektivhaftung genommen, und das ist sicherlich nicht falsch. Umgekehrt gilt aber auch: Im Mediengeschäft bieten selbst gute Ergebnisse wenig mehr als einen zarten Hinweis darauf, wie sich die Zukunft entwickeln könnte. Anleger müssen mit vielen Unwägbarkeiten kalkulieren.

Etwas überschaubarer ist gegenüber dem riskanten Rechtehandel sicherlich die Auftragsproduktion, bei der Formate oft über längere Zeiträume verkauft werden können. Die Experimentierfreude der TV-Sender kennt allerdings schnell Grenzen. Auch Pro-Sieben-Aktionäre reagieren allergisch auf sinkende Quoten und daraus resultierende Schwächen im Werbezeitenverkauf.
RTL 2 befand unlängst das Format "To Club" des Produzenten Me, Myself & Eye für unsäglich und warf die - bereits bezahlten - weiteren Folgen kurzerhand aus dem Programm. Für ein Produktionsunternehmen ist diese Notbremse eine Hiobsbotschaft, und das nicht nur, weil das Image Schaden nimmt, sondern auch, weil die Anschlussgeschäfte rund um das Vermarkten und Verwerten der TV-Inhalte entfallen.

Schlechter noch ergeht es Rechte-Händlern, deren Ware von vornherein chancenlos bleibt. So ist Kinowelt auf einem Berg teurer Spielfilme sitzen geblieben, die im Duopol der RTL-Familie und des Kirch-Clans keine Abnehmer fand. Gerne kaufen die Sender vor allem bei Anbietern, an denen sie selbst beteiligt sind. So hat Constantin Film auch deshalb oft bessere Karten, weil die Kirchgruppe ein Fünftel der Anteile hält.

Paradoxerweise hat gerade der Versuch, sich aus der Abhängigkeit der Sender zu befreien und neue Verwertungsketten zu erschließen, bislang vor allem Enttäuschungen gebracht. Über die Investitionen in Internetprojekte redet derzeit niemand freiwillig. Bitter büßen Senator und Kinowelt nun den Einstieg bei den Kinobetreibern Cinemaxx und Kinopolis.

Möglicherweise sind die schlimmsten Zeiten inzwischen aber ausgestanden. Im TV-Markt zeichnet sich nach dem Container-Boom eine vorsichtige Renaissance der Spielfilme ab, und RTL hat angekündigt, massiv ins eigene Programm zu investieren. US-Filme sind, so ist auf der Programm-Messe MIP-TV in Cannes zu hören, wenig gefragt.
Gibt es auch Trost für Anleger, die auf Erfolgsvermarktung von Hollywoodkompetenz in Deutschland setzen? Solange das Filmgeschäft tatsächlich die tragende Säule bleibt, können Anleger die Geschäftsentwicklung dieser Unternehmen bequem im Kinosessel mitverfolgen.

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