Medienunternehmen räumt Fehler in interner Kontrolle ein und befürchtet Liquiditätsprobleme
Umstrittene Geldtransfers bei Hollinger

Über dem Medienunternehmen Hollinger hängen dunkle Wolken. Die Börsenaufsicht in den USA und Kanada interessiert sich für das Finanzgebaren des Hauses, dem Zeitungen in Großbritannien, den USA, Kanada und Israel gehören. In einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC räumten Hollinger Inc. und ihre Tochter Hollinger International "signifikante Schwächen" bei der Offenlegung von Transaktionen ein.

gbr OTTAWA. Fragwürdige Transferzahlungen, eine mögliche Liquiditätskrise und die Erschütterungen im Management um den schillernden Medienimperator Conrad Black, der als Lord Black of Crossharbour Mitglied des britischen House of Lords ist, sichern den Unternehmen mehr Aufmerksamkeit als ihnen lieb sein kann. Hinzu kommen Spekulationen über die Zukunft des Pressehauses Hollinger International, das die Chicago Sun-Times, den Daily Telegraph in London und die Jerusalem Post herausgibt. Das Haus steht in einem "strategischen Prozess", in dem auch der mögliche Verkauf des Unternehmens oder "wichtiger Vermögensgegenstände" evaluiert wird bestätigte eine Hollinger-Sprecherin.

Wegen nicht autorisierter Zahlungen, die er von Hollinger International erhalten hat, ist Black bereits als CEO dieses Unternehmens zurückgetreten, ist aber weiterhin Mehrheitseigner und CEO der Muttergesellschaft. Hollinger International spricht nun im SEC-Bericht von einer Unternehmensstruktur, bei der es an klaren Regeln für Transaktionen an Beteiligungsgesellschaften fehlte und keine Vorkehrungen gegen Interessenkonflikte bei Verträgen getroffen wurden.

Das operative Unternehmen ist Hollinger International in Chicago, das die Zeitungen herausgibt. Deren Mutter ist Hollinger Inc. in Toronto, hinter der die Ravelston Corporation steht, eine weitere Black-Firma. Hollinger International zahlt Management-Gehälter von zuletzt rund 24 Mill.US- $ an Ravelston und Dividenden an Hollinger Inc.

Investmentfirmen, denen das Finanzgebaren suspekt war, lösten eine Überprüfung aus. Aufgedeckt wurde unter anderem, dass in früheren Jahren 32 Mill. $ ohne ordnungsgemäße Autorisierung von Hollinger International an Black und weitere Führungskräfte sowie die Mutter Hollinger Inc. flossen. Hinter einer weiteren Transaktion verbergen sich zwei illustre Namen: 2,5 Mill. $ gingen an Trireme Partners, einen Venture Capital Fonds, an dessen Führung Richard Perle beteiligt ist und in dessen Beraterstab Henry Kissinger sowie Conrad Black sitzen. Perle war als Berater der US-Regierung einer der "Falken" im Irak- Konflikt. Untersucht werden nun auch Zahlungen an Black und andere als Hollinger seine kanadischen Zeitungen verkaufte.

Die neue Führung von Hollinger International will nun die Zahlungen an Ravelston Mitte 2004 einstellen. Damit droht das Zahlungskonstrukt zwischen den Unternehmen zusammenzubrechen. Was erhebliche Folgen haben kann: Im März nahm die Holding bei US-Investoren einen 120 Mill. $-Kredit auf und sicherte ihn durch ihre 25 Millionen Aktien. Zum 1. März 2004 sind rund 7,4 Mill. $ an Zinsen fällig. Können sie nicht gezahlt werden, haben die Gläubiger Zugriff auf die Aktien.

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