Medienwelt der Zukunft
IT-Abläufe werden auf den Kopf gestellt

Die IT-Industrie wird Opfer ihrer eigenen Innovationen: In der neuen Medienwelt sind die Nutzer die neue Macht. Sie werden nicht nur die Entwicklung von Soft- und Hardware bestimmen, sie werden auch die Technologie am Arbeitsplatz mitgestalten. Die etablierten Konzerne haben die Bedrohung erkannt.

MÜNCHEN/FRANKFURT. An jenen Herbsttag im vergangenen Jahr wird sich Henning Kagermann wahrscheinlich nicht so gerne erinnern. Als der SAP-Chef die Bühne im Congress-Zentrum Leipzig betritt, muss er sich einiges anhören - von frustrierten und genervten Nutzern. Das Unternehmen produziere an deren wirklichem Bedarf vorbei und hole die Nutzer nicht dort ab, wo sie seien, klagten die SAP-Anwender.

Kein SAP-spezifisches Problem. Egal wo, Software wird in den meisten Fällen immer noch am grünen Tisch entwickelt. Weniger die Kunden geben die Marschrichtung vor, sondern die Programmierer. Doch nicht mehr lange. Das Netz und dessen neue Möglichkeiten werden die althergebrachten Abläufe auf den Kopf und die IT-Firmen vor neue Herausforderungen stellen. "Die Nutzer werden künftig stärker in die Entwicklung eingebunden, etwa über Communities, wie es sie bei anderen Softwareprojekten wie etwa Linux bereits gibt", weiß Henning Kagermann, der Chef des Softwarekonzerns SAP.

Was vielleicht paradox klingen mag, es ist nicht zu leugnen: Die IT-Industrie wird in den nächsten Jahren die Folgen ihrer eigenen Innovationen zu spüren bekommen. Erste Hinweise auf den dramatischen Wandel sind bereits erkennbar. Sie haben so seltsam klingende Namen wie PHP, Ajax oder Ruby on Rails.

Dahinter verbergen sich Module und Programmiersprachen, mit denen schnell und kostengünstig eigene Anwendungen vorwiegend für das Internet gebastelt werden können. Und sie verbreiten sich rasant. Google-Maps nutzt diese Werkzeuge zum Beispiel und konnte mit ihrer Hilfe sehr schnell "live" gehen.

"PHP, eigentlich entwickelt zum einfachen Bau von Internetseiten, wird immer häufiger zum Erstellen von Firmenanwendungen genutzt. Große Programmierkenntnisse benötigt man dafür nicht", beschreibt Gaylord Aulke, Europa-Chef des US-Unternehmens Zend Technologies, den Trend. Zend Technologies zählt im Silicon Valley zu den Geheimtipps unter den Investoren.

Die etablierten Konzerne haben das Potenzial und wohl auch die Bedrohung erkannt. Geldgeber von Zend ist zum Beispiel die Risikokapitaltochter von SAP, aber auch der Chipkonzern Intel zählt zu den Investoren. Microsoft wiederum ist einer der maßgeblichen Treiber von Ajax, einem vergleichbaren Projekt.

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