Medikamenten-Skandal als schwere Hypothek
Bayer geht in Einzelfällen auf Forderungen der Lipobay-Kläger ein

Ein Jahr nach dem Lipobay-Skandal hat die Leverkusener Bayer AG erstmals eine gewisse Bereitschaft zu Vergleichen mit Klägern signalisiert. "In Einzelfällen sind wir dazu bereit", sagte Vorstandsvorsitzender Werner Wenning der "Wirtschaftswoche".

dpa/HB DÜSSELDORF. Ein Jahr nach dem Lipobay-Skandal hat die Leverkusener Bayer AG erstmals eine gewisse Bereitschaft zu Vergleichen mit Klägern signalisiert. "In Einzelfällen sind wir dazu bereit", sagte Vorstandsvorsitzender Werner Wenning der "Wirtschaftswoche". Jedoch sehe das Unternehmen auch weiterhin keinen Grund dazu, sich generell auf einen Vergleich einzulassen. Das Medikament wird mit dem Tod von mindestens 100 Menschen in Verbindung gebracht.

Insgesamt gibt es nach Auskunft einer Unternehmenssprecherin inzwischen weltweit mehr als 2 000 Klagen in Verbindung mit Lipobay. Der Großteil davon stamme aus den USA. Für den Konzern ist dies ein Milliardenrisiko angesichts der hohen Schadenssummen, die die verbraucherfreundlichen US-Gerichte gelegentlich verhängen.

Für den Bayer-Konzern war der 8. August 2001 einer der schwärzesten Tage in der Firmengeschichte: An dem folgenschweren Mittwoch vor genau einem Jahr musste das Chemie- und Pharmaunternehmen sein bis dato umsatzstärkstes Präparat vom Markt nehmen, den Cholesterinsenker Lipobay. Denn, so der Vorwurf: Lipobay könne bei gleichzeitiger Einnahme mit dem Wirkstoff Gemfibrozil zum Tode infolge einer Form von Muskelschwäche führen.

Der Rückzug von Lipobay hat seine Spuren auch in der Bilanz des Chemie- und Pharmakonzerns hinterlassen. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres brach der Umsatz im Pharmabereich wie berichtet um knapp ein Viertel auf 1,9 Mrd. Euro ein. "Bayer hat noch immer mit den Auswirkungen von Lipobay zu kämpfen", resümiert Analyst Andreas Theisen von der WestLB Panmure. Das Lipobay-Debakel kostete zudem 1 300 Arbeitsplätze, heißt es von Seiten des Konzerns.

Den Umschwung soll nun das Potenzmittel Vardenafil bringen. Die Markteinführung des Präparates ist für das kommende Jahr geplant. Das Mittel gilt als potenzieller Verkaufsschlager mit einem möglichen Jahresumsatz von 1 Mrd. Euro. Diese Hoffnung teilen auch Analysten. Vardenafil sei ein potenzielles Präparat, um das Fehlen von Lipobay auszugleichen und neues Wachstum zu schaffen, sagt Theisen. Das brauche aber Zeit. Mit einer Einführung des Potenzmittels sei nicht vor Mitte 2003 zu rechnen.

Angestoßen hat der Ausfall von Lipobay eine grundlegende Neuordnung des Konzerns. So wurde Bayer in eine Holding umgewandelt mit den vier selbstständigen operativen Sparten Gesundheit, Pflanzenschutz, Kunststoffe und Chemie.

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