Medikamentenhersteller versuchen, Kostensenkung im Gesundheitswesen zu unterlaufen
Pharmakonzerne behindern günstige Grau-Importe

Die Sparmaßnahmen der Krankenkassen bescheren den Pharma-Reimporteuren einen ungeahnten Boom. Die Konzerne versuchen jetzt, die Liefermengen in Niedrigpreis-Länder einzuschränken.

FRANKFURT/M. Auf dem deutschen Pharmamarkt gewinnen reimportierte Arzneimittel stark an Boden. Mehrere große Hersteller versuchen daher, die Flut der Grauimporte einzudämmen. "Vor allem Glaxo-Smithkline zieht die Schrauben an", sagt der Geschäftsführer eines europaweit tätigen Pharmahändlers. Der britische Pharmariese hatte jüngst über ein neues Liefersystem informiert, das aus Sicht des Handels darauf hinausläuft, nur noch diejenigen Mengen in die jeweiligen nationalen Märkte zu liefern, die dort tatsächlich benötigt werden. Auch der US-Konzern Merck & Co. hat laut EU-Kommission ähnliche Pläne angemeldet.

Der Umsatz der Reimporte hat im vergangenen Jahr in Deutschland um 50 % auf annähernd 800 Mill. Euro zugelegt. Der Marktanteil der Reimporte verdoppelte sich damit innerhalb von zwei Jahren auf 4,6 (2,2) % und dürfte weiter zulegen. Denn in einem Vertrag mit den Krankenkassen mussten sich die deutschen Apotheken verpflichten, ab April 5,5 % und ab dem kommenden Jahr sogar 7 % ihrer Umsätze mit reimportierten Präparaten zu bestreiten. Hintergrund sind die stark steigenden Arzneimittelausgaben, die 2001 laut Schätzungen um 10 % auf 21 Mrd. Euro hochgeschnellt sind.

Die Importeure nutzen dabei die Preisdifferenzen bei identischen Medikamenten innerhalb Europas. Dafür sind Währungsverschiebungen, staatliche Preisbeschränkungen, unterschiedliche Steuersysteme und auch freiwillige Vereinbarungen zwischen Herstellern und nationalen Krankenkassen verantwortlich. Daraus ergeben sich Preisunterschiede von zum Teil einem Drittel. Damit wird das Geschäft für die spezialisierten Händler lukrativ: Hier zu Lande kosten zehn Tabletten des Antibiotikums Ciprobay 750 vom Importeur Kohlpharma 84,91 Euro, die Originale von Bayer aber 94,44 Euro.

Die großen Hersteller haben verschiedene Gegenmaßnahmen eingeleitet. Dazu zählen neben den Lieferbeschränkungen auch politische Vorstöße gegen die Preisrestriktionen in südeuropäischen Ländern. Ein weiteres Rezept: spezielle Packungsgrößen für die einzelnen nationalen Märkte, was die Reimporteure vor erhebliche logistische Probleme stellt.

Ob diese Initiativen den Reimport aber wirksam eindämmen, ist fraglich. Mehrere Importeure haben inzwischen Beschwerden eingelegt - unter anderem gegen Glaxo-Smith - kline, Merck und Pfizer. Bereits im Mai hatte die EU-Kommission den Versuch von Glaxo abgeschmettert, dem spanischen Großhandel höhere Preise für Produkte zu diktieren, die exportiert werden.

Umstritten ist andererseits, wie groß der Spareffekt durch Reimporte für die Krankenkassen wirklich ist. Die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA) schätzt, dass die Importquoten die Kassen theoretisch um bis zu 250 Mill. Euro entlasten. Jedoch müsse man sich auf erheblich höhere Preise bei Reimporten einstellen. Denn die gesetzliche Absatzgarantie gebe den Importeuren großen Spielraum.

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