Medizin-Nobelpreis geht an zwei britische und einen amerikanischen Forscher
Preisträger sind dem Leben auf der Spur

Der Nobelpreis für Medizin wird in diesem Jahr für biologische Grundlagenforschung verliehen. Die Preisträger haben herausgefunden, wie Gene die Entstehung von Lebewesen steuern. Zudem haben sie Erkenntnisse darüber gewonnen, wie der Organismus nicht mehr benötigte Zellen gezielt absterben lässt.

hst/hsn STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Der Medizinnobelpreis geht in diesem Jahr an den amerikanischen Wissenschaftler Robert Horvitz und die beiden britischen Forscher Sydney Brenner und John E. Sulston. Wie das für den Medizinnobelpreis zuständige Karolinische Institut in Stockholm gestern mitteilte, werden die drei Wissenschaftler für ihre "Entdeckungen auf dem Gebiet der Organentwicklung" ausgezeichnet. Sie hätten die Regulierung des Zellsterbens untersucht, hieß es in der Begründung, in der die Bedeutung ihrer Forschungsarbeiten als Basis für die medizinische Forschung und das Verständnis für die Entstehung einer Reihe von Krankheiten besonders hervorgehoben werden.

Bei den Arbeiten handelt es sich um eine reine Grundlagenforschung. So habe der ältere Preisträger, Sydney Brenner, mit seiner Idee, die Umsetzung des genetischen Codes an einfachen Lebewesen wie dem Fadenwurm (Nematoden Caenorhabditis elegans) zu untersuchen, die Basis geschaffen für eine gemeinsame Strategie in der Molekularbiologie, erläutert Werner Franke, Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, die Arbeit seines amerikanischen Kollegen.

Durch die Etablierung und Verwendung des Fadenwurms als Modellsystem gelang es, die Zellteilung und Spezialisierung von der befruchteten Eizelle bis zum erwachsenen Wurm genau zu verfolgen. Die Preisträger haben die Gene identifiziert, welche die Organentwicklung und das programmierte Zellsterben regulieren. Außerdem haben sie nachgewiesen, dass es entsprechende Gene bei höher entwickelten Organismen - einschließlich des Menschen - gibt.

Die Forschungsarbeiten haben vor allem das Verständnis des Lebensprozesses verbessert. "Unmittelbare praktische Auswirkungen, wie die Entwicklung neuer Medikamente oder Strategien für die Behandlung von Krebs oder anderen Krankheiten sind von den Arbeiten nicht zu erwarten", dämpft der Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum überschwängliche Erwartungen, die häufig mit der Verleihung des Nobelpreises verknüpft werden.

Sydney Brenner wurde 1927 in Südafrika geboren, ist aber heute britischer Staatsbürger. Er arbeitet zurzeit in Berkeley, USA. Der 1942 geborene John Sulston ist in Cambridge, England, tätig und der ein Jahr jüngere Robert Horvitz forscht in Cambridge in den USA. Die Auszeichnung wird am 10. Dezember in Stockholm übergeben.Mit der Bekanntgabe der Medizinnobelpreisträger wurde der diesjährige Nobel-Reigen eingeleitet. Am heutigen Dienstag wird der Name des Physiknobelpreisträgers bekannt gegeben. Am Mittwoch sind der Chemie- und Wirtschaftsnobelpreis an der Reihe. Am Freitag wird in Oslo der Name des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers bekannt gegeben.

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