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Mediziner implantieren künstlichen Knorpelersatz am Knie

Weltweit erstmals gelang es Ulrich Bosch und seinem Team an der Unfallchirurgischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover menschliches Knorpelgewebe am Kniegelenk durch künstlichen Knorpel zu ersetzen. Die Operation wurde bereits Mitte Juni bei zwei Patienten angewandt. Beide haben inzwischen die Klinik verlassen.

hsn DÜSSELDORF."Die erste Operation bei einer 60-jährigen Patientin war aufgrund eines Knorpelverschleißes am Knie notwendig geworden. Mit herkömmlichen Behandlungsmethoden wäre es uns nicht gelungen, sie vor einer Teilprothese zu bewahren", sagte Bosch. Der zweite Patient, ein 45-jähriger Mann, hatte über Jahrzehnte intensiv Sport getrieben und sich den Knorpelschaden durch Sportverletzungen zugezogen. Frühere operative Eingriffe konnten ihn nicht von seinen starken Schmerzen und seiner eingeschränkten Beweglichkeit befreien.

Bei der Methode wurde der geschädigte Knorpel entfernt und in den darunter liegenden Knochen eine etwa zehn Millimeter kleine Vertiefung gefräst und die passgenauen Implantatzylinder hineingepresst. "So konnten wir eine glatte, widerstandsfähige Gelenkoberfläche herstellen", erklärte der Unfallchirurg. Der künstliche Knorpelersatz wurde in den USA von der Firma Salu-Medica entwickelt. Seine Grundsubstanz ist vergleichbar mit der von weichen Kontaktlinsen.

Beide Produkte bestehen aus so genanntem Hydrogel, einem wasserspeichernden Kunststoff. Das neue Implantat ähnelt sehr dem menschlichen Knorpelgewebe, es ist genauso weich und anpassungsfähig, gleichzeitig jedoch außerordentlich abnutzungssicher und kräftig. Zudem zeichne sich das Material durch eine hohe Gewebeverträglichkeit aus, so der Arzt.

Der Vorteil des Implantats und der speziellen Operationstechnik liegen nach Auffassung von Bosch nicht nur in einer wesentlich kürzeren Rehabilitation. In Zukunft könne man in vielen Fällen auch auf die Verwendung von körpereigenem gesundem Knorpelgewebe verzichten oder einen erforderlichen Teilgelenkersatz hinauszögern. Von der Methode könnten vor allem Patienten mit Knorpelschäden nach Sportverletzungen und Unfällen profitieren sowie an Knorpelverschleiß leidende Menschen, die für einen Kniegelenkersatz zu jung sind. Ein frühzeitiger Ersatz des Knorpelgewebes könne die Entstehung einer chronischen Gelenkerkrankung, einer Arthrose, verhindern, so die Mediziner. Allein in Deutschland sind rund fünf Millionen Menschen von Gelenkverletzungen und Arthrosen betroffen.

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