Mediziner und Psychologen waren an Bord
Erschöpft und glücklich: Befreite Geiseln wieder daheim

Die sechs in Algerien befreiten deutschen Geiseln und ein Schwede sind am Mittwochabend an Bord einer Bundeswehr-Maschine auf dem Flughafen Köln-Bonn gelandet. Nur wenige Minuten später setzte in Salzburg das Flugzeug mit den zehn Österreichern auf, die ebenfalls wieder auf freiem Fuß sind.

HB/dpa/rtr KÖLN/SALZBURG/ALGIER. Ihre Heimkehr nach Deutschland hatten sich die sieben Touristen sicher ganz anders vorgestellt. Eine Maschine der Luftwaffe brachte die befreiten sechs deutschen und eine schwedische Geisel am Mittwochabend zurück nach Deutschland. Fünf sollen aus Bayern stammen, einer aus Norddeutschland. Der Schwede lebt seit längerem in Deutschland. Erschöpft, aber glücklich verließen die fünf Männer und zwei Frauen die Maschine auf dem militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens. Erwartet wurden sie von einem Pulk von Kamerateams und heftigen Blitzlicht-Gewittern.

Bevor sie in den auf dem Rollfeld wartenden Bus stiegen, winkten die sieben den Journalisten zu. Eine Frau in einem rosafarbenen Gewand humpelte leicht. Die beiden befreiten weiblichen Geiseln hielten einen Blumenstrauß in der Hand. Alle bedankten sich bei Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog, der sie persönlich in der Maschine in Algier abgeholt hatte. Einige Angehörige sollen auf dem Flughafen-Areal abseits des Medienrummels ungeduldig auf die Rückkehrer gewartet haben.

Noch weiß außer den Betroffenen selbst wohl noch niemand, was sie in den vielen Wochen ihrer Geiselnahme wirklich erlebt oder erlitten haben. Auch die Umstände ihrer gewaltsamen Befreiungsaktion am Dienstagmorgen bleiben noch unklar. Laut Auswärtigem Amt geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Die sieben Sahara-Reisenden wirkten am Mittwochabend stabil. Dennoch waren sie an Bord der "Challenger" von einem Arzt, zwei Sanitätern und einem Psychologen betreut worden. Das Geiseldrama der Sahara-Touristen hatte vor knapp drei Monaten begonnen.

Die zehn Österreicher landeten in einer Sondermaschine aus Algier landete kurz vor 20 Uhr auf dem Salzburg Airport. Anschließend durften die Angehörigen, die am Rollfeld auf die Ankunft gewartet hatten, die Heimgekehrten abgeschirmt von der Öffentlichkeit direkt im Flugzeug begrüßen. In der algerischen Hauptstadt waren die unverletzt gebliebenen Geiseln vom dortigen Außenminister persönlich verabschiedet worden.

Die frei gelassenen Geiseln seien stark abgemagert und müde, aber "in überraschend gutem Zustand", berichtete Salzburgs Landeshauptmann (Ministerpräsident) Franz Schausberger anschließend vor Journalisten. Sie hätten große Strapazen zu überwinden gehabt, seien aber wohlauf und unverletzt. In der Maschine hätten sich beim Wiedersehen der Angehörigen "sehr rührende Szenen" abgespielt, sagte der Politiker.

Über den Ablauf der Befreiung wollte Schausberger keine weiteren Angaben machen. "Es war eine Befreiungsaktion, das kann man sagen", und sie sei am Dienstagabend erfolgt, mehr wolle er dazu nicht sagen.

Spezialtrupps der algerischen Streitkräfte hatten nach Militärangaben einen Unterschlupf militanter Islamisten in der Sahara gestürmt und die 17 Touristen befreit. Über das Schicksal von 15 weiteren Touristen - darunter zehn Deutsche - die ebenfalls vor rund zwei Monaten entlang der so genannten Gräberpiste verschwunden waren, gab es zunächst keine Informationen. Sie werden in einem Versteck nahe der südalgerischen Stadt Illizi vermutet. Spezialeinheiten seien auf der Suche nach diesem Versteck, berichtete die algerische Zeitung "El Watan" unter Berufung auf Sicherheitskreise. Dabei würden auch Flugzeuge eingesetzt, die mit wärmeempfindlichen Detektoren ausgerüstet seien.

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