Meer wird zum durchstylten Actionpark
Der Wellenmacher

Wenn Wind und Wetter nicht mitspielen: Neuseeländer baut Kunst-Riffe für Surfer.

Es muss ja nicht gleich eine Flutwelle von Emmerichschen Ausmaßen sein. Aber wer kennt sie nicht, diese langweiligen Tage am Strand: Statt einer Brandung entpuppt sich der Wellengang als ein Plätschern. Das Surfbrett liegt gelangweilt im Sand, und die Senioren können ihre Bahnen ziehen wie im heimischen Wellenbad.

Doch nicht mehr lange. In Zeiten von Indoor-Skiing und Dünensurfen soll bald auch das Meer zum durchgestylten Actionpark werden: Im fernen Neuseeland arbeitet ein Physikprofessor daran, dem Meer auf die Woge zu helfen. Kerry Black, 52 und selbst passionierter Wellenreiter, zählt zu den weltweit brillantesten Köpfen der Küstenozeanographie und ist eine Ikone der Surfwelt. Wenn auch nicht aus sportlichen Gründen: Seine Firma ASR entwirft und baut im neuseeländischen Surferstädtchen Raglan künstliche Riffe. Blacks Ziel: die Konstruktion der perfekten Welle, von der Surfer weltweit träumen.

Längst ist Blacks Vision keine fixe Idee mehr. An der australischen Gold Coast wurde 1998 mit dem Bau des ersten Kunstriffs begonnen - eines Monsters von 130 000 Kubikmetern Volumen. Drei Meter unter der Meeresoberfläche bremst das Gebilde aus Sandsäcken das heranschwappende Wasser und türmt Wellen auf. Als Nächstes soll in Mount Maunganui an der neuseeländischen Westküste ein Kunstriff zu Wasser gelassen werden. Weitere Projekte sind für das englische Seebad Bournemouth und den französischen Ferienort Cap Ferret geplant.

Blacks etwas abgerissener Look - Stoppelbart, schulterlanges Haar, verblichenes T-Shirt - kennzeichnet ihn in der Wellenreiter-Gemeinde als einen der ihren. Seit er 14 ist, nimmt Black bei jeder Gelegenheit sein Brett mit raus in die Brandung, und noch auf den Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere war die "Surfability" der Gegend ein wichtiges Entscheidungskriterium.

Draußen in den Wellen kam ihm auch die Idee zu den künstlichen Riffen. Obwohl die mit Surferglück zunächst gar nichts zu tun hatte. "Oft, wenn ich auf dem Brett unterwegs war", erzählt Black, "blickte ich auf diese scheußlichen Betonpoller, mit denen man Küstenstreifen gegen Erosion zu schützen versuchte. Viele Strände wurden komplett verschandelt. Aber ich war mir sicher, dass es einen weitaus besseren Weg gibt, das Land zu schonen. Von draußen auf dem Meer, zum Beispiel, und unter Wasser."

Black fasste einen verrückten Plan: Er würde künstliche Riffe entwerfen, die die zerstörerische Brandung von den Küsten ablenkten. Und wenn das möglich war, so überlegte der Surf-Professor weiter, dann könnte er auch Riffe bauen, die Surf-Freaks wie ihm Superwellen bescherten - auf Bestellung. "Schließlich bin ich selbst Wellenreiter, da lag die Verbindung ziemlich nahe", sagt er und grinst.

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